In Yining war es noch stockfinstere Nacht, als wir um acht Uhr morgens das Hotel verliessen und den einige hundert Meter entfernten Bahnhof ansteuerten. Wir gingen extra genügend früh los, da wir von anderen Erlebnisberichten gehört hatten, dass die Sicherheitsvorkehrungen an den Bahnhöfen enorm seien und es zu langen Wartezeiten kommen kann. Und ja, es gab beim Einlass zuerst eine Ticketkontrolle, beziehungsweise wurde der Reisepass eingelesen, da das Ticket mit der Passnummer verknüpft war. Danach wurden die Gepäckstücke gescannt und man passierte einen Metalldetektor. Da aber die meisten Berichte sich auf Peking oder Shanghai bezogen, sprachen diese von ganz anderen Erfahrungen, als wir sie machten. Es dauerte nur einige Minuten und wir waren im Bahnhofsgebäude, konnten uns einen Kaffee holen und ganz gemütlich darauf warten, dass der Zug eintraf und der Weg zum Bahnsteig freigegeben wurde. Bevor wir zum Gleis gehen konnten, mussten wir nochmals durch eine Ticket-/Passkontrolle.
Wir fuhren hier mit dem Schnellzug nach Ürümqi in der zweiten Klasse, was sehr komfortabel war. Es wurde immer wieder betont, dass es ein rauchfreier Zug sei und dass das illegale Rauchen eine Busse nach sich ziehen würde. Jeder Wagen verfügte immer über eigene Zugbegleiter und zumindest im Nordwesten des Landes auch über einen Polizeibeamten, der mitfuhr. Er wurde bei uns auch gleich vorstellig und wollte unsere Pässe sehen. Er schien zufrieden zu sein und begrüsste uns in China. Mit 100 bis 200 km/h flog der Zug in Richtung Ürümqi und liess die Aussenwelt verschwimmen. Derart komfortabel waren wir seit unserem Start der Reise nicht mehr gefahren und wir genossen die gemütlichen Sitze und dass einfach alles funktionierte, wie es angedacht war. Die Ruhe störten nur von Zeit zu Zeit Verkäufer mit Bauchladen, bei denen man von Pferdebalsam bis Seifen alles kaufen konnte.
In Ürümqi angekommen, gingen wir zu Fuss zum Hotel, was insofern trickreich war, da die Strassen nicht wirklich für Fussgänger gedacht sind. Das Hotel war schon etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch sauber und gepflegt. Wir machten uns gleich wieder auf und nahmen ein Taxi zum Basar. Dort gab es allerlei zu sehen; dass die Stadt an der Seidenstrasse liegt, liess sich an jeder Ecke daran erkennen, dass Dromedar-Kuscheltiere und allerlei Schnickschnack und Souvenirs verkauft wurden, die uns schon eins zu eins seit Xhiva begleiteten, nun aber wahrscheinlich wirklich in dem Land verkauft wurden, in dem sie auch hergestellt wurden. Wir schlenderten durch die Fussgängerzone und besuchten ein kleines Café, welches neben türkischem Kaffee auch die italienischen Zubereitungsarten wie Espresso beherrschte. Unser erster chinesischer Halt war definitiv anders als der Rest, den wir schon kannten. Da wir aber langsam reisten und uns gut auf unseren Aufenthalt in China vorbereitet hatten, blieb der Kulturschock, den viele Reisende in China erwähnen und den wir erwarteten, grösstenteils aus. Am Ende der Fussgängerzone befand sich eine überdachte Streetfoodstrasse, wo wir erst ein paar Kürbismomos bestellten und mit Alipay zahlten. Danach gab es noch einen kurzen Abstecher in ein Brauhaus, wobei Zapfen nicht wirklich ihre Stärke war und wir fast eine Stunde auf ein Bier warteten. Wir kehrten nochmals zu den Streetfoodständen zurück, wo wir eine riesige Portion Laziji teilten – getrocknete Chilis mit Fleisch, unglaublich salzig, aber auch sehr gut. Nachdem wir bei einem Bankomaten noch Bargeld bezogen hatten, fuhren wir mit einem Taxi zurück ins Hotel. Einige Stunden Schlaf, bevor es schon wieder weiterging.














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