Don Det

7. April 2026

Auch wenn uns vonseiten von Yves und Miss Noy in Pakse davon abgeraten wurde, entschieden wir uns, mit dem Busunternehmen VET von Pakse nach Don Det zu fahren. Neben den normalen Linienbussen in Kambodscha bieten sie auch auf den typischen Touristenstrecken einen Luxusbus namens «Airbus» an, mit grosser Beinfreiheit, Unterhaltungssystem und Boardservice. Der finanzielle Unterschied war klein, dafür mussten wir erst ein Taxi zum Busbahnhof KM2 nehmen, zu Fuss wäre es einfach zu weit gewesen. Wir stiegen ein und es ist wirklich so, es fühlt sich an, als säße man in einem Flugzeug. Ausser uns waren kaum andere Touristen auf dem Bus, scheinbar wird der Komfort auch von Einheimischen sehr geschätzt. Nachdem der Bus startete, bekamen wir Brioche, Wasser und warmen, süssen Kaffee an den Platz serviert. Fliegen wäre tatsächlich weniger bequem gewesen. Die Fahrt dauerte «leider» nur etwas mehr als zwei Stunden und wir kamen in Nakasong an, der Stadt, die noch auf dem «Festland» liegt.

Hier ganz im Süden von Laos wird der Mekong, der hier weder begradigt noch kanalisiert wird, zu einer riesigen, breiten Wasserlandschaft mit 4000 grösseren und kleineren Inseln mit Stromschnellen und Wasserfällen. Schon vor Jahrzehnten erkor die Backpackergemeinschaft Don Det, eine der grösseren Inseln, zu ihrem Standort. Jedes Jahr strömen hier tausende junge Touristen hin, um in entspannter Atmosphäre zu feiern und vielleicht auch das eine oder andere Happy Menu zu geniessen. Wie immer, wenn die Backpackerszene einen Ort entdeckt hat, kommen irgendwann auch alle anderen Touristen wie wir, es werden mehr Unterkünfte gebaut, grössere Hotels, mehr Infrastruktur und der Ort verliert irgendwie seinen Charm. In Zeiten von Social Media geht dies noch viel schneller.

Wir kamen also an und wurden gleich zum Bootssteg geleitet, wo wir nochmals unsere Tickets vorzeigen mussten und die Überfahrt nach Don Det startete in einem alten, kleinen Boot mit ratterndem Motor. Wir kamen in einem vollen Boot mit etwa 16 anderen westlichen Touristen, vor allem Französinnen und Franzosen, auf der Insel an, spazierten zum nächsten Café, dem Jay’s Café, plauderten mit dem Inhaber über die eher schlechte Lage mit fehlenden Touristen, weniger Benzin und so weiter und warteten, bis wir von unserer Unterkunft abgeholt wurden. Wir machten es uns in unserem Zimmer gemütlich, wir hatten einen kleinen Balkon direkt auf den Mekong und viel Platz, um unsere Sachen zu verstreuen. Wir waren von der Hitze völlig platt, rafften uns aber noch auf, die Insel einmal zu Fuss zu erkunden und merkten, dass sie doch mehr von ihrem Charm behalten hatte, als wir anfangs befürchteten. Ist man einige Meter vom Zentrum, also Fährsteg entfernt, gibt es praktisch keine touristische Infrastruktur mehr. Wir umrundeten einmal die rund zwei Kilometer lange Insel und assen in einem indischen Restaurant zu Abend. Es hat hier erstaunlich viele indische Restaurants und wie wir in Erfahrung brachten, trifft das auf viele Orte in Südostasien zu, da sich hier eine grosse indisch-pakistanische Diaspora niedergelassen hat. In einer ersten Welle nach der Teilung Indiens kam sie nach Südostasien, in einer zweiten Welle nach der Abspaltung von Ostpakistan. Heute kommen viele indische Personen auf die Backpacker-Routen, um Restaurants zu eröffnen und den Reisenden Abwechslung zum südostasiatischen Essen zu bieten.

Wir verbrachten zwei entspannte Tage auf Don Det und dem angrenzenden Don Khone. Wir mieteten Fahrräder, um auch Don Khone und seine unzähligen Mekong-Wasserfälle anzusehen und um an einem wirklich schönen, ruhigen Strand, dem «Secret Beach», zu baden. Der grosse Wasserfall im Osten heisst E-Toud-Wasserfall, der im Westen ist ein wenig spektakulärer, aber auch touristisch erschlossener und heisst Li-Phi-Wasserfall. Ganz im Südosten der Insel Don Khone ist der alte französische Hafen. Hier legten bis vor der Corona-Zeit noch Boote ab, um die gefährdeten Irawadi-Delfine zu beobachten. Aufgrund der vielen Staudämme in Laos fanden weniger Fische und damit Nahrung den Weg nach Südlaos, aber auch illegale Fischereimethoden, bei denen sich die Delfine in den Netzen verheddern und dabei ertrinken, führten dazu, dass der letzte lebende Delfin seiner Art 2022 starb. Heute gibt es die Flussdelfine nur noch in Kambodscha, eine Wiederansiedlung ist aufgrund der Zerstörung des Lebensraums leider auch keine Option. Umso trauriger ist die Statue zu sehen, die im alten französischen Hafen einen Irawadi-Delfin mit Jungtier zeigt. Heute erscheint sie uns als Mahnmal für die Zerstörung von Lebensraum und die menschengemachte Ausrottung gefährdeter Tiere.

Zurück auf Don Det gibt es auch hier einige kleinere Strände, die von Restaurantbesitzern instandgehalten werden. Man kauft sich bei ihnen ein Getränk oder isst am Abend dort und hilft somit, dass der Strand ab und zu gereinigt wird. Wir badeten dort am Tawan Strand, nur einige Fahrradminuten von unserer Unterkunft entfernt.

Falls ihr einmal in Don Det seid, müsst ihr unbedingt Jay einen Besuch abstatten. Sein Kaffee, den er vom Bolaven-Plateau in Laos bezieht, ist genauso fantastisch wie seine unglaubliche Leidenschaft, mit der er jeden Kaffee zubereitet. Sein Englisch ist wirklich gut und er gibt gerne Auskunft über alles, was die Insel und das Leben in Laos betrifft. Kaum zu verwundern, ist er am Morgen der Mittelpunkt aller Reisenden, die Don Det besuchen.

Es waren wirklich schöne Tage auf Don Det. Unsere wenigen Tage in Laos sind leider schon gezählt, aber wir haben fest vor, bald wieder zurückzukehren. Das nächste Mal mit einem Visum und damit mit einer längeren Aufenthaltserlaubnis.

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