Vom Busbahnhof in Bischkek bestiegen wir einen Bus, der uns an die Grenze nach Kasachstan brachte. Nach nur einer halben Stunde Fahrt waren wir schon beim Grenzübergang. Ausreisestempel abholen, das Niemandsland durchschreiten und bei der Einreise wieder anstehen – wir waren uns das langsam gewohnt. Die anderen vier kasachischen Passstempel schienen die Beamten nicht weiter zu verwundern und sie liessen uns ohne grosses Aufheben einreisen. Das Gepäck wurde zwar durch einen Scanner gelassen, aber durchsucht wurde es nicht. Um fünf nach neun kirgisischer Zeit, also fünf nach acht kasachischer Zeit, waren wir schon zum dritten Mal in unserem Leben in Kasachstan. Als wir uns umschauten, bemerkten wir, dass der Grenzübergang auf der kasachischen Seite gerade dabei war, das Tor für die PKW zu öffnen. Wir realisierten, dass zwar beide Grenzübergänge um 8:00 Uhr öffnen, da die beiden Länder aber einen Zeitunterschied von einer Stunde haben, öffnen sie dennoch zeitversetzt. Es sind Kuriositäten wie diese, die nur Reisenden begegnen. Wieder im Bus eingestiegen, dauerte die Fahrt noch einige Zeit, bis wir am Busbahnhof in Almaty ankamen. Dort liessen wir uns am Schalter gleich bestätigen, dass unsere online gekauften Billette für die Weiterfahrt wirklich gültig sind und wir uns am richtigen Busbahnhof befinden.
In Almaty waren wir wieder in einem sehr neuen Apartment am Rande der Stadt untergebracht. Genau richtig, um die letzten Tage in Zentralasien ausklingen zu lassen. Das Viertel hatte alles, was man so braucht, in Gehdistanz: Kaffee, Supermarkt, Barbershop. Wir verliessen das Apartment bald wieder, um in Richtung Stadt zu spazieren. Zu Fuss hatten wir immerhin zwei Stunden, bis wir die Innenstadt erreichten. Dabei passierten wir das Zentralstadion, in welchem der FC Kairat spielt – Fussballbegeisterten sicherlich ein Begriff, auch der FC Basel traf 2021 schon einmal auf den Club aus Almaty. Langsam wurden wir hungrig und holten uns ein Lavash in dem Laden der Stadt, in dem die Leute Schlange standen – und ja, es war wirklich ganz gut. Beim Platz der Republik angekommen, war dieser komplett mit Gerüsten und Absperrungen umrandet, da gerade Bauarbeiten stattfanden. Von da aus hätten wir einen guten Blick auf das Parlamentsgebäude gehabt. Gleich dahinter befinden sich das Staatliche Museum und das Kunstmuseum, welche wir zwar nicht besuchten, von denen wir aber hörten, dass sich ein Besuch lohnen würde. Auch der futuristische Nurly Tau, ein komplett verglaster Wolkenkratzer, gehört zu den beliebteren Instagram-Motiven der Stadt. Nachdem wir die herbstliche Stadt besichtigt hatten, machten wir uns auf nach Hause, um dort eines der letzten Male selbst zu kochen, da wir in den späteren Reisezielen die Gelegenheit wahrscheinlich nicht mehr so oft erhalten werden.
Wir starteten den Tag typisch schweizerisch mit Brot und Butter, auch das wahrscheinlich ein letztes Mal. Der Tag verlief so weit unspektakulär, am Abend machten wir uns aber auf, um einen Hockeymatch des HC Almaty in der kasachischen Liga zu schauen. Das Stadion ist ein grosser moderner Bau, den man leicht mit dem Bus erreichen kann und der für die Asiatischen Winterspiele komplett renoviert wurde. Der HC Almaty spielte gegen den damaligen Tabellenführer Nomad Astana. Wir wunderten uns über das tiefe Niveau der Begegnung, da wir wissen, dass die kasachische Nationalmannschaft international durchaus mithalten kann. Einige Recherchen später war uns klar, wieso: Die besten Spieler Kasachstans spielen entweder bei Barys Astana in der russischen KHL oder bei anderen Vereinen derselben Liga. So ist Nomad Astana sozusagen das Farmteam. Uns fiel auf, dass auch viele Zuschauer aus Almaty Fanartikel von Barys trugen. Trotzdem war es für uns ein lustiger Event und es hat Spass gemacht, einen Sportanlass im Ausland mitzuverfolgen. Was uns total überraschte, war, dass es in dieser grossen Arena keine Verpflegungsstände gab. In der Schweiz gibt es sogar in den Regionalmeisterschaften im Fussball im hinterletzten Dorf noch Grills und Essensstände, wenn der Dorfverein die Schuhe schnürt. Somit mussten wir uns zur später Stunde mit knurrendem Magen noch etwas zu Essen suchen.
Auch am Tag darauf schlenderten wir durch die herbstliche Innenstadt. Wir starteten in der Nähe des Grünen Basars, der eine der grossen Sehenswürdigkeiten sein soll, sich aber von den anderen Basaren, die wir bisher gesehen hatten, nicht gross unterschied. Darum steuerten wir die Arbat-Fussgängerzone in der «Schibek Scholy» an – übersetzt die Seidenstrasse. Im Restaurant Lanzhou, einer Kette, die sich auf uigurische Nudeln spezialisiert hat, gab es eine Schüssel Nudeln und in einem französischen Café einen Kaffee. Draussen war das Wetter richtig herbstlich: Der Himmel war grau und die Bäume leuchteten rot-gelb. Vor allem im Park, in dem die orthodoxe Christi-Himmelfahrts-Kathedrale steht, kam das Gefühl auf, sich am liebsten bei Kerzenlicht unter einer warmen Decke zu verkriechen. Gegen Abend steuerten wir eine Bar an, die Biere lokaler Mikrobrauereien ausschenkt. Uns wurde die Bar vom Braumeister in Bischkek empfohlen. Als wir an einem IPA nippten, wurde die Bar plötzlich rappelvoll: Eine ganze Horde in Trainingsoutfits füllte den Raum. Es war ein Chapter des «Mikkeller Running Clubs», die sich jeden Mittwoch zum Joggen und anschliessenden Biertrinken treffen. Wir kamen mit einigen IT-Spezialisten ins Gespräch, bekamen Tipps für unsere Wanderung und gingen schliesslich müde nach Hause.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh, denn wir wollten das nahegelegene Skigebiet Shymbulak besuchen. Wir waren noch müde vom Tag zuvor. Wie schon in Bischkek ist der Nationalpark bequem per Bus zu erreichen. Rund eine Stunde später erreichten wir die Talstation der Gondelbahn. Direkt daneben liegt Medeu, die grösste öffentliche Eislaufbahn der Welt – leider war es für den Schlittschuhsport noch etwas zu früh. Die topmoderne Gondelbahn brachte uns nach oben, wo eine Infrastruktur wartete, die auch in der Schweiz stehen könnte. Wir entschieden uns für den Sessellift bis zur Schneegrenze. Der Versuch, die Skipiste hinaufzuwandern, endete jedoch in einer Rutschpartie auf Schieferstein. Mitten am Hang drehten wir um, assen unser Picknick auf einem Felsvorsprung und genossen die Aussicht. Zuhause kochten wir noch ein letztes Mal Gemüserisotto, bevor es am nächsten Tag Richtung China gehen sollte. Nervös und voller Vorfreude auf das, was kommt, gingen wir schlafen.
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