Pak Chong und Khao Yai

27. März 2026

Nochmals eine Zugstunde von Ayutthaya entfernt liegt das unscheinbare Pak Chong. Wahrscheinlich würde hier kaum ein Tourist den Zug verlassen, wäre es nicht der ideale Zugangspunkt zum Khao Yai Nationalpark. Wir verliessen den relativ modernen, aber scheinbar noch nicht vollständig in Betrieb genommenen Bahnhof und wurden direkt davor gefragt, ob wir bei «Greenleaf» ein Zimmer gebucht hätten. Da wir das nicht hatten, holten wir uns erst ein scharfes Mittagessen, bevor wir durch die sengende Hitze zu unserer Unterkunft stapften. Wir hatten uns im Vornherein nicht wirklich informiert und waren fest davon überzeugt, uns einfach einen Roller zu mieten, um die sieben öffentlichen Wanderwege im Nationalpark auf eigene Faust zu erkunden.

Doch je länger wir uns mit der Situation befassten, desto unsicherer wurden wir. Schliesslich entschieden wir uns, zumindest zu versuchen, eine geführte Tour im Park zu bekommen. Unser Host empfahl uns via WhatsApp «Greenleaf Guesthouse & Tours» als die wahrscheinlich beste Option. Im Nachhinein betrachtet hätten wir uns mit ein wenig mehr Vorbereitung einiges vereinfachen können. Wir versuchten alle Telefonnummern zu erreichen, die wir fanden, bis wir schliesslich auf Instagram eine Nummer entdeckten. Dort antwortete man uns prompt und versicherte uns, dass noch Platz auf der Tour sei. Alles Weitere regelten wir unkompliziert per Nachricht.

Pünktlich wie abgemacht stand am nächsten Morgen ein Pickup-Truck vor unserem Hostel, der zu einer Art Safari-Truck umgebaut worden war. Wir stiegen ein, holten weitere Teilnehmer ab und fuhren zum Greenleaf Guesthouse, wo wir noch einen Kaffee nahmen, bevor es in den Park ging. Wir bezahlten 1500 Baht pro Person – ein unglaublicher Preis, in dem die Tour, das Mittagessen und der Parkeintritt bereits inkludiert waren. Für nur 300 Baht mehr hätte man noch eine Halbtagestour ausserhalb des Parks machen können und auch ein Zimmer im Guesthouse kostet nur 300 Baht. Wer also vor allem wegen des Parks in der Gegend ist, sollte sich das Greenleaf Guesthouse genauer anschauen.

Auf halber Fahrt zum Eingang sprang unsere Guide Ghaan auf den Truck auf. Nur kurze Zeit später hielten wir bereits bei der zuständigen Feuerwache, da sich dort scheinbar eine ganze Familie Hornbills (Nashornvögel) eingenistet hatte. Wir konnten diese riesigen Vögel von dort aus problemlos beobachten. Ghaan zeigte dabei zum ersten Mal, was für ein Energiebündel sie ist: Sie zeigte uns jedes einzelne Tier und brachte das Fernrohr in Stellung, damit wir die Vögel auch aus der Nähe sehen konnten.

Wir betraten den Park und Ghaan liess ihren Fahrer «Uncle» immer wieder anhalten, um uns Adler, Echsen und Vögel aller Art zu zeigen. Ihre Begeisterung reichte locker für uns alle sechs und wir wurden richtiggehend angesteckt. Immer wieder hörten wir die Schreie der Gibbon-Affen – diese immer höher werdenden Rufe sind, einmal gehört, unverkennbar. Sie jedoch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen, ist eher Glückssache. Beim Besucherzentrum legten wir eine Kaffeepause ein und zogen spezielle Socken an, um uns vor Blutegeln zu schützen. Diese waren bitter nötig: Kaum hatten wir den Wald betreten, wimmelte es nur so von den grauseligen Tierchen. Ghaan erzählte uns, dass einige Guides inoffizielle Wege nehmen, um die Chance auf Tiersichtungen zu erhöhen. Ihr sei dies jedoch zu riskant, da sie ihre Zulassung nicht aufs Spiel setzen wolle. Wir blieben also auf den offiziellen Wegen. Einige Minuten später erhielt sie jedoch einen Anruf, dass ihr Bruder – ebenfalls ein Guide – nur wenige Meter neben uns Gibbons gesichtet habe. Wir machten sofort kehrt und gingen auf den Wanderweg Nummer drei, von dem aus wir die Tiere in aller Ruhe in ihrem natürlichen Habitat beobachten konnten.

Nachdem Mittagessen beim Besucherzentrum besichtigten wir den Wasserfall Haew Su Wat. Wir wissen beide nicht genau, welche Faszination Wasserfälle auf manche ausüben – am Ende ist es eben Wasser, das von oben nach unten fällt, aber vielleicht hat es auch weniger mit dem Wasserfall an sich zu tun und mehr mit dem Umstand, dass hier eine Szene für den Film «The Beach» mit Leonardo DiCaprio gedreht wurde. Interessanter für uns jedoch war die grüne Viper, die vor uns auftauchte und gemütlich in den Blättern eines Baumes lag. Danach ging es auf die Suche nach Elefanten, da gegen Abend die Chance am grössten ist, dass sie die Hauptstrasse des Parks überqueren. Als wir schon leicht enttäuscht auf dem Rückweg waren, erhielt Ghaan einen Anruf: Ein Elefant sei am Strassenrand beim Fressen. «Uncle» holte alles aus dem Motor heraus, was drinsteckte; für unsere Verhältnisse war die Fahrt fast ein bisschen zu waghalsig. Aber tatsächlich stand dort ein jugendlicher Elefant und ass in aller Ruhe Blätter, während die Besucher in gehörigem Abstand Fotos machten. Wenig später überquerte sogar eine ganze Elefantenfamilie die Strasse – ein Anblick wie für die Kamera gemacht.

Nach der Tour wurden wir zurück zu unserem Hostel gefahren. Am Nightmarket holten wir uns noch etwas zu essen, bevor wir nach diesem anstrengenden Tag erschöpft ins Bett fielen.

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