Nachdem wir irgendwann kurz vor Mittag wieder am Pier in Haiphong ankamen, brachte uns der Bus von «Klook» wieder zurück nach Hanoi. Natürlich mussten wir an irgendeinem Kunstmarkt Halt machen, an dem jeder Bus nach Haiphong hält, um den Touristen Gipsfiguren anzudrehen und schlechten Kaffee zu verkaufen. Wir waren eigentlich nur wieder froh, als wir zurück in den Bus steigen konnten. Am späteren Nachmittag spuckte uns der Bus aus und wir waren zurück dort, wo wir das Halong-Abenteuer starteten, in einer Seitenstrasse irgendwo in der zweitgrössten Stadt Vietnams. Wir stapften zurück zur Rezeption des Hotels, das wir vor der Halong-Kreuzfahrt hatten und holten unsere Rucksäcke ab, um von dort zu unserer nächsten Unterkunft zu gehen. Diese war gleich neben dem Bahnhof Long Bien im Norden der Touristenzone. Es war ein geräumiges Zimmer mit schönem Bad und kleiner Küche; hier konnten wir es gut die nächsten neun Tage aushalten. Wir haben uns dazu entschlossen, einige Tage in Hanoi zu bleiben, da uns das Gewusel, das Imperfekte und all die kleinen Garküchen schon beim letzten Besuch 2019 sehr in unseren Bann gezogen hatten. Wir bestellten per App ein Taxi, um im etwas weiter weg gelegenen Einkaufszentrum einen Grundstock an Nahrungsmitteln und Wasser zu kaufen, um die Tage in Hanoi gut zu überstehen.
Unser Ziel war es, in den Tagen in Hanoi unseren Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Trotz grosser Bemühungen und viel Zeit, die wir investiert hatten, gelang uns das aber nicht; der Ruf der Stadt war wohl zu verlockend. Da wir die Stadt schon einmal besucht hatten, waren wir auch nicht derart erpicht darauf, die zahlreichen Sehenswürdigkeiten abzuklappern und konnten uns gut in der Stadt treiben lassen. Wir spazierten dem Ho Tay entlang, einem grossen See nördlich der Altstadt, an dessen Ufer sich tolle Cafés und einige spezielle Vintage-Läden (Brockis) angesiedelt haben. Von unserem Apartment konnten wir genau auf den Bahnhof Long Bien schauen und immer am frühen Abend kam der seit Anfang 2025 neue Touristenzug vorbei, der in Hanoi einfach eine Rundfahrt macht und verschiedene Bahnhöfe abklappert. Pünktlich zur Einfahrt des Zuges versammelten sich auch ganz viele «Train-Spotter», um Aufnahmen des Zuges zu machen. Bis jetzt ist uns nicht ganz klar, was den Zug so von all den anderen Zügen abhebt. Das Café beim Long Bien aber hebt sich ganz sicher von all den anderen Cafés in der Stadt ab. Ihr Coconut Coffee ist vielleicht der beste, den wir je probieren durften und wir hatten unzählige davon getrunken.
Wir hatten uns vorgenommen, allen Personen, die am Abschlussfest dabei waren, eine Karte von unserer Reise zu schreiben. Leider war dies gar nicht so einfach, denn Postkarten zu schreiben scheint ein aussterbender Zeitvertreib zu sein. Nicht so in Hanoi: Hier gab es an jeder Ecke eine kleine Boutique oder einen kleinen Souvenirshop, der Postkarten verkaufte. Da wir einigen Personen schon aus China geschrieben hatten, kauften wir so viele, wie wir noch brauchten. Wir waren überrascht, dass wir bei einigen entscheiden mussten, ob sie per Luftpost (AirMail) verschickt werden sollen. Da uns der Briefumschlag so nostalgisch vorkam und wir einfach Freude daran hatten, wählten wir, wann immer möglich, AirMail. Ob diese Postkarten nun wirklich anders verschickt werden als die anderen, bezweifeln wir, aber Spass machte es trotzdem.
Gleich bei uns um die Ecke gab es eine kleine Garküche, die Bánh Xèo zubereitete, die nicht nur unglaublich günstig und schmackhaft waren; auf ihrer kleinen Dachterrasse, die man über eine kleine Treppe im hinteren Teil ihrer Küche erreichte, konnten wir dem hektischen Treiben unter uns zuschauen, während wir gemütlich unsere vietnamesischen Omeletten assen. Wir liessen es uns auch nicht nehmen, für einen Abend im Tầm Vị zu dinieren, einem vietnamesischen Restaurant, das für seine Küche einen Michelin-Stern bekam. An diesem Abend putzten wir uns heraus, so gut es die Backpacking-Garderobe zuliess und gingen erst zum «The Haflington». Diese Bar wurde 2024 zu einer der besten 50 Bars in Südostasien gewählt. Wenn man nicht reserviert hat, kommt man am besten früh und schleicht sich durch den Eingang in den Hinterhof, wo eine kleine unscheinbare Treppe in das Obergeschoss und zur Bar führt. Wir bekamen glücklicherweise die letzten beiden Plätze an der Bar und liessen uns beraten und bestellten von ihren «Signature Cocktails». Manchmal ist es, auch wenn man sonst aufs Budget achtet, einfach schön, es sich zwischendurch gut gehen zu lassen und ein bisschen Luxus zu geniessen. Auch beim Abendessen im Tầm Vị liessen wir uns beraten und assen neben traditionell vietnamesischen Gerichten gefüllte, fritierte Betelnussblätter, das Highlight unseres schmucken Abends in Hanoi. Wo wir auch zweimal essen waren, war das «Lẩu 66», nur zwei Querstrassen vom Tầm Vị entfernt. Abseits der Touristenströme gibt es das kleine Restaurant, so wie wir es von 2019 in Erinnerung hatten: Kleine Hocker, nur Einheimische am Essen und ein Lẩu (Hotpot), der genau unseren Geschmacksnerv traf. Als wir das zweite Mal dort waren und bestellten, streckte der Kellner Pascal seine Hand hin. Pascal dachte nicht lange nach und schlug beherzt ein, in voller Überzeugung, einen neuen Freund gefunden zu haben; er wollte aber nur die Menükarte zurück. Eva konnte nicht mehr, die Tränen flossen vor Lachen und alle rund um uns herum stimmten mit ein. Immerhin führte das dazu, dass wir am Ende noch an den letzten Tisch mit den Familienmitgliedern eingeladen wurden, um mit ihnen ein, zwei Runden Reisschnaps zu trinken. Genauso stellen wir uns Südostasien vor.
In diesen Tagen in Hanoi planten wir viel: eine Reiseroute für unser nächstes Land (Indien), Visaregeln nochmals genauer prüfen, Bus- und Zugrouten studieren und so zog die Zeit ins Land. Mit der Stadt, in der wir sechs Jahre zuvor erstmals asiatischen Boden betreten haben, verbindet uns ein spezielles Band und auch wenn wir es nicht genau benennen können, was es ausmacht, so können wir nicht umhin, alle anderen Städte, die wir besuchten und besuchen werden, immer wieder mit Hanoi zu vergleichen. Für uns hat die Stadt eine Anziehung, wie es sonst keine andere Stadt in Asien je hatte und vielleicht auch je haben wird.
Am letzten Tag in Hanoi, kurz vor unserem Abflug, trafen wir nochmals Richard, den jungen Waliser, den wir in Aktau (Kasachstan) kennenlernten. Er war einer ähnlichen Route durch China gefolgt wie wir, hatte aber durch ein Visum zwei Monate Zeit, um die gleiche Strecke hinter sich zu bringen. Wir nahmen einen vietnamesischen Kaffee mit ihm und gingen nochmals zum gleichen Restaurant, um eine Bún Chả zu essen. Wir holten unsere Rucksäcke im Apartment und nahmen ein Taxi an den Flughafen. Hier endete es nun also. Klar hatten wir noch zwei Monate vor uns, bis wir zurück mussten, aber unsere Reise von der Schweiz bis nach Asien war vollendet. Der Flug nach Indien ging nach Westen, also waren wir auf dem Weg nach Hause.



















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