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Ha Long- und Lan Ha-Bucht

4. Dezember 2025

Als wir Vietnam das letzte Mal bereist hatten, war europäischer Sommer in Vietnam Regenzeit, also nicht die beste Zeit für Touren auf dem Meer. Trotzdem haben wir Cat Ba besucht, die damals gerade noch so den Rang eines Geheimtipps und einer Backpacker-Oase innehatte. Schon sechs Jahre zuvor baute man aber an allen Küstenabschnitten grosse Betonbunker und die Idylle, die wir suchten, schien verloren zu sein. Also entschlossen wir uns, dieses Mal nicht nochmals Cat Ba zu besuchen, sondern uns einfach eines der touristischsten Dinge zu gönnen, die man in Südostasien wahrscheinlich machen kann: eine Ha Long-Bucht-Kreuzfahrt. In Sa Pa rätselten wir, welchen der hunderten Anbieter wir bevorzugen sollen und entschlossen uns jenen zu wählen, der nicht allzu schlechte Bewertungen hat und nicht übermässig teuer ist. Schlussendlich fanden wir ein, in unseren Augen, ganz gutes Angebot bei «Klook». Irgendwann muss man sich entscheiden und im Vornherein ist es wahrscheinlich unmöglich ohne Insiderwissen, das beste Angebot auszuwählen.

Also mussten wir am Abreisetag von Sa Pa nach Haiphong, die Küsten- und Hafenstadt von Hanoi, kommen. Wir entschlossen uns aber, einen Zwischenstopp in Hanoi einzulegen, um dann in Ruhe mit dem von «Klook» gestellten Bus zum Pier zu gelangen. Wir buchten also einen Bus von Sa Pa nach Hanoi und fuhren am Morgen mit einem «Nachtbus» los und kamen irgendwann am frühen Nachmittag in Hanoi an. Da wir schon einmal in Hanoi waren, war uns gleich vieles vertraut und auch unser Hotel war in Gehdistanz. Für eine Nacht haben wir das günstigste gebucht, das verfügbar war und Bewertungen in einem ordentlichen Rahmen besass. Wir kamen also in der Unterkunft an, checkten ein und fragten gleich an der Rezeption, ob wir unsere Rucksäcke für eine Nacht bei ihnen deponieren durften. Kein Problem, hiess es und wir waren froh, dass wir unsere schweren Reisebegleiter nicht mitnehmen mussten. Die Unterkunft war funktional, ein Bett und ein Bad, das Fenster zeigte in eine enge Gasse, aber für eine Nacht, was soll’s. Nun ging es los, die Stadt zu erkunden, zu schauen, was in den letzten Jahren gleichgeblieben ist und was sich verändert hatte. Wir assen zuerst ein Banh Mi am Hoan Kiem-See und machten uns danach bald auf, das Nachtleben zu erkunden. Am Ende landeten wir am berühmt-berüchtigten Beer Corner, der von seinem Glanz aber mehr eingebüsst hat, als uns lieb war. Wir assen Wasserspinat und Nem, tranken lokales Bier und mussten zugeben, dass wir einerseits älter geworden sind, das Durchschnittsalter der partywütigen Menschen war zwischen zehn und zwanzig Jahre jünger als wir, aber auch, dass der Ort seinen Charme verloren hat. Sechs Jahre zuvor waren noch die berühmt-berüchtigten Verkabelungen an Pfosten aufgehängt, das lokale Bier unglaublich günstig und es versammelte sich an diesem Eck eine Mischung aus Backpackern und älteren Reisenden, die sich auf den neuesten Stand brachten. Die Partymeile, die wir heute vorfanden, könnte auch auf Mallorca oder sonst wo auf der Welt zu finden sein. Wir gingen leicht enttäuscht ins Bett und waren gespannt, was der nächste Tag bringen möge.

Wir wurden nur eine Ecke weiter von einem grossen Bus abgeholt. Wir dachten in unserer Naivität natürlich, dass alle Passagiere des Busses auf die gleiche Kreuzfahrt gingen, doch weit gefehlt. Der Bus war je nach Buchungsplattform verschieden, also waren hier alle, die eine Kreuzfahrt über «Klook» buchten. Einer nach dem anderen wurde abgeholt und es ging über die Autobahn nach Haiphong. Dort wurden wir am Pier der entsprechenden Kreuzfahrtgesellschaft abgeladen und wurden herzlich von den Angestellten empfangen. Schon jetzt war es uns fast ein wenig zu viel. Hier versammelten sich logischerweise wirklich nur noch Europäer, einige Amerikaner und ein Alleinreisender aus Singapur, insgesamt etwa sechzig Personen. In diesem Moment kam Eva in den Sinn, dass wir nicht nur einen Rucksack, sondern auch eine Tragtasche für die Kreuzfahrt gepackt hatten, die unsere Badsachen enthielt und wir die im Bus vergassen. Hektisch versuchten wir, den Reiseleiter des Busfahrers per Telefon zu erreichen und nach dem x-ten Mal Durchklingeln nahm er dann wirklich ab und versprach, in einigen Minuten nochmals bei uns vorbeizufahren und die Tasche abzuliefern. Genauso war es dann auch. Entspannt konnten wir danach darauf warten, was kommen möge. Wir wurden auf kleinere Beiboote verfrachtet, die man je nach Angebot, das man gewählt hatte, 1, zwei Tage oder zwei Tage mit zusätzlicher Übernachtung auf Cat Ba, wurde man auf verschiedene Boote gebracht und dann ging es auch schon los. Schon die Fahrt zum Kreuzfahrtschiff machte gespannt darauf, was wir bald erleben werden. Kalkfelsen, die aus dem Wasser aufragten links und rechts vom Schiff, wir fuhren einfach viel zu schnell durch die wunderschöne Landschaft. Am «grossen» Schiff angekommen betraten wir das Deck des Kreuzfahrtschiffes und wurden auf das Oberdeck geleitet, wo wir an einem Zweiertisch Platz nahmen, einen Willkommensdrink bekamen und die Schlüsselkarte des entsprechenden Zimmers, das unseres war. Nach dem Willkommensdrink bezogen wir das Zimmer. Es hatte einen Balkon mit zwei Sesseln, ein grosses Badezimmer mit Badewanne an einem Panoramafenster und einer Dusche und ein wirklich bequemes Bett. Schon bald darauf gab es das erste Mal Mittags-Z’Vieri-Buffet mit allem, was das Herz begehrt, von Meeresfrüchten bis zu klassisch vietnamesischen Speisen gab es alles. Wir schlugen uns den Bauch voll und danach ging es auch schon auf zur ersten Aktivität. Eine Höhlenbesichtigung stand an. Wir wurden vom Schiff aufs Beiboot verfrachtet und mit dem an einen Steg nahe der Höhle gebracht. Dort wiederum ging es auf Ruderboote, um durch die Höhle, mehr ein natürlicher Durchgang, in ein Salzwasserreservoir zu gelangen, welches komplett von einer Insel umgeben war. Wirklich besonders war es nicht, aber es war ganz putzig anzusehen, wie einige Affen auf der Insel miteinander zankten. Bei der Rückfahrt lieferten sich die Ruderer der einzelnen Boote ein kleines Rennen. Zurück am Steg wussten wir, warum der Reiseleiter meinte, wir müssten so schnell als möglich bei der Höhle sein. Nun, da etwa zwanzig weitere Kreuzfahrtschiffe dort ankerten, war der Steg komplett voll und es war ein riesiges Gedränge um das nächste Ruderboot. Auf der Rückfahrt zum Schiff kamen wir mit ein paar jungen Engländer:innen ins Gespräch, die einige Wochen in Vietnam Ferien machten. Zwei gingen später weiter, vier waren «nur» drei Wochen in Vietnam und flogen nach der Kreuzfahrt auch wieder nach Hause. Es ging Schlag auf Schlag, wir hatten nur kurz Zeit, dann stand Schwimmen im Meer auf dem Programm. Wir wollten nichts verpassen, also schnell in die Schwimmsachen und ab ins Wasser. Pascal verletzte sich noch am Schienbein und blutete das ganze Zimmer voll. Manchmal sollte man sich wohl ein bisschen mehr Zeit nehmen und nicht zu sehr in Eile sein. Das Wasser war kalt und neben den Gästen war es auch für Teile der Besatzung eine gute Abkühlung. Es ging langsam gegen Abend zu und wir liessen es uns noch ein bisschen am Pool gut gehen, bevor die Happy Hour mit Kochvorführung startete. Es wurden Nêm, also vietnamesische Frühlingsrollen, geformt und danach frittiert. Für uns nicht wirklich etwas Neues, aber es war ganz nett, dem beizuwohnen. Heute stand das Dinner an, ein 4-Gang-Menü, das serviert wurde. Es war ganz schön, sich für einmal nicht darum zu kümmern, wo man etwas zu essen herbekommt, sondern man kann sich einfach hinsetzen und geniessen. Als wir in den Essraum kamen, waren viele Tische schon belegt und einige mit Zimmernummern versehen. Wir fragten, welcher für uns sei und der Reiseleiter meinte, wir können uns einen Tisch aussuchen. Alle ohne Zimmernummern waren aber schon vergeben. Es wurde tatsächlich ein Tisch vergessen und wir fragten die Gruppe Engländer:innen, ob es ihnen etwas ausmachen würde, wenn wir uns zu ihnen setzen würden. Wir machten uns den ganzen Abend darüber lustig, dass wir an den Kindertisch gesetzt wurden und es sich anfühlt wie bei Omas Weihnachtsessen, als man noch sechs Jahre alt war. Während des Abendessens wurde dann auch noch bekannt, warum einige Tische mit Nummern versehen waren. Es waren diejenigen, die gerade auf Hochzeitsreise waren (und dies auch angegeben hatten) und vor dem Dessert wurden alle Frischvermählten verlesen und ihnen ein schönes Eheleben gewünscht. Wir waren unendlich froh, dass wir diese Option bei der Buchung übersehen hatten.

Auch nach dem Essen hätte es noch weitere Aktivitäten gegeben. Zum Beispiel wäre es möglich gewesen, Tintenfische zu angeln, was tatsächlich auch jemandem gelang. Wir bevorzugten es, den Abend im Pool auf Deck ausklingen zu lassen. Der nächste Tag startete früh mit dem Morgenessen-Buffet und Kajakfahren. Mit dem Kajak sind wir so weit rausgefahren, dass unser Reiseleiter schon langsam nervös wurde und sichtlich erleichtert war, als wir wieder zum Schiff zurück padelten. Eigentlich wäre dies auch noch für den Tag zuvor angedacht gewesen, aufgrund rauerer See aber auf den Morgen danach verschoben. Keine Ahnung wie das auch noch in den eh schon sehr vollbepackten Tag gepasst hätte. Danach wurde es langsam ruhiger. Alle genossen noch die letzten Stunden in den luxuriösen Kabinen, bevor es langsam wieder ans Packen ging. Zum Glück hatten wir nicht allzu viel dabei. Wieder auf Deck mussten wir noch unsere Getränke bezahlen und durften uns nochmals am riesigen Mittagsbuffet bedienen. Wieder gab es von Muscheln, Scampis, Nêm bis zu süssen Speisen alles, was das Herz begehrt. Wir schlugen uns nochmals richtig den Bauch voll, bevor wir unseren Rucksack packen mussten und es wieder aufs Beiboot, zurück an den Pier in Haiphong und danach mit dem Bus nach Hanoi ging.

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