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Kunming

21. November 2025

Die Hauptstadt der Provinz Yunnan ist nicht wirklich spektakulär. Aber von Lijiang führt die Bahn entweder wieder zurück in Richtung Chengdu oder eben nach Kunming. Wir wollten weiter nach Yuanyang und hofften, unseren ehemaligen Weggefährten Richard, den wir in Aktau kennenlernten, wiederzusehen. Da Richard aber gerade in Dali war und unser Visum für China bald auslief, verpassten wir uns leider gerade um einige Tage. Trotzdem blieben wir in Kunming relativ lange. Wir hatten ein riesiges Hotelzimmer im dreissigsten Stock eines Hochhauses mit Wohnzimmer und Sicht über die ganze Stadt. Nachdem wir uns dort eingenistet hatten, nahmen wir die U-Bahn raus aus der Stadt zum Busterminal, um dort im besten Fall Tickets nach Yuanyang zu buchen. Dort angekommen sahen wir auf der einen Seite einen riesigen Shoppingkomplex und gegenüber das Busterminal. Wir kauften Tickets nach Xinjiezhen, eine Ortschaft im Gebiet der Hani-Minderheit, um von dort aus weiterzureisen.

Als wir das Terminal wieder verliessen, blickten wir direkt auf diesen riesigen Shoppingkomplex, das International Trading and Commercial Center. Aus Neugier betraten wir das Gebäude und wir glauben, man kann es sich nicht vorstellen, wie riesig dieser Komplex war. Wir betraten das Shoppingcenter bei Eingang A und es hätte noch mindestens acht weitere Eingänge gegeben, jeder so gross wie der einer Messehalle. Drinnen gab es fünf Stockwerke und auf jeder Seite zweigten unzählige Gänge ab, an denen sich wiederum hunderte kleine und grössere Läden reihten, die alle Kleider verkauften. Schlussendlich waren wir doch einige Stunden in diesem Komplex, aber wir haben nicht annähernd auch nur ein Abteil davon gesehen.

Wir fuhren mit der U-Bahn wieder in die Stadt. Nahe der Station gab es ein Viertel mit ganz vielen Ständen, die Enten in allen Varianten zubereiten. Wir kehrten in ein Restaurant ein, das ganz nett eingerichtet, aber alles andere als touristisch war. Wir können es uns wie eine Dorfknille in einem kleinen Schweizer Dorf vorstellen, die noch gute alte rot-weiss-karierte Tischdecken und eine «Menage» auf den Tischen hat, einfach auf Chinesisch. Wir durchforschten die Karte nach etwas, das uns bekannt vorkam, und bestellten schliesslich glasierte Ente. Nach kurzer Zeit bekamen wir sie auch, und zwar komplett mit Kopf, Innereien und allem, was das Federvieh noch so mit sich trug, aussen glasiert und knusprig. Sie war wirklich gut, wir mussten uns aber erst langsam vortasten.

Langsam aber sicher sah Pascals Haarpracht aus, als hätte er sieben Jahre in der Wildnis gelebt und es war höchste Zeit für einen Besuch beim Coiffeur. Auch wenn es rund um unsere Unterkunft viele Barbiere und Haarstylisten gab, so waren sie doch mehrheitlich für den vierbeinigen besten Freund des Menschen und Feind aller Postboten gedacht. Dazwischen fanden wir dann doch einen Salon, der sich scheinbar auf haarige Zweibeiner spezialisiert hat. Etwa eine Stunde beschäftigte er sich jeweils mit unseren Haaren, dazwischen bekamen wir eine Kopfmassage im Massagesessel und zum Schluss noch ein Getränk zum Abschied. Frisch geschoren trugen wir unsere neuen Haarschnitte auch im Ausgang zur Schau. Ganz in der Nähe unseres Zimmers gibt es ein Irish Pub mit Pizza. Den holzbeheizten Pizzaofen im Vorgarten hatten wir schon am Vormittag gesehen, und so assen wir genüsslich gute Pizza und profitierten von der Happy Hour, auch wenn diese definitiv länger als nur eine Stunde dauerte.

Am letzten Tag spazierten wir von der Stadtmitte aus zum Cuihu-Park. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch ein Viertel, das sich ganz dem Kaffee verschrieben hatte. Überall gab es Cafés, die ihre selbst gerösteten Bohnen zu schmackhaftem Kaffee verarbeiteten. Am Park angekommen waren wir ein wenig enttäuscht. Zwar ist er schön angelegt und besteht aus verschiedenen künstlichen Seen, auf denen man sich mit Tretbooten fortbewegen kann, die riesigen Seerosen waren jedoch alle schon verblüht und verströmten einen eher modrigen Duft. Danach versuchten wir nochmals im gleichen Restaurant wie am ersten Tag zu essen. Da wir jedoch sehr spät unterwegs waren, waren dieses und alle umliegenden Restaurants bereits geschlossen, sodass uns nicht viel anderes übrig blieb, als mit KFC vorliebenzunehmen. Kunming war für uns definitiv nicht spektakulär, aber die Ruhe, die wir uns dort gönnten, hatten wir gesucht. Wir waren glücklich, ein wenig zu entspannen, bevor mit Pugao und danach Vietnam nochmals spannende Tage auf uns zukamen.

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