Mit der Yandex-Funktion «City-to-City», die in Zentralasien nur in Kasachstan zur Verfügung steht und ursprünglich eine Mitfahrgelegenheitsvermittlung à la BlaBlaCar sein sollte, heute aber mehr ein professioneller Fahrdienst zwischen Städten ist, reisten wir weiter. Es wurde uns von Josie, die wir in Nukus kennenlernten, empfohlen und wir müssen zugeben, dass es eine extrem luxuriöse Art und Weise ist, in Kasachstan voranzukommen.
Der Fahrer setzte uns am Hotel ab. Da es in Turkestan nicht viele Möglichkeiten gab und das Hotel nur sehr wenige Bewertungen hatte, waren wir uns nicht sicher, ob die Unterkunft etwas taugen würde. Wir wurden aber sehr positiv überrascht. Das Hotel war erst seit einem Monat offen und alles komplett neu. Einige der Möbel hatten noch die Aufbauanleitung in ihren Schubladen und es sah für einmal nicht so aus, als wären diese schon seit Jahren da. Das Zimmer war extrem geräumig und wir waren schon ein bisschen betrübt, dass wir hier nur eine Nacht gebucht hatten.
Wir verliessen das Hotel und holten uns auf dem Weg eine Somsa, die zentralasiatische Variante der in der Schweiz bekannten indischen Samosas. Unser Ziel war das antike Fort von Turkestan, welches vom Hotel in Gehdistanz liegt. Der rundumliegende Park und auch das Fort können kostenfrei besichtigt werden. Da wir aber, wenn wir schon da sind, auch die Untergrundmoschee und das Mausoleum besuchen wollten, holten wir uns am Ticketschalter entsprechende Karten. Das Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi wurde vom mongolischen Herrscher Timur Ende des 14. Jahrhunderts erbaut. Dabei wurden viele architektonische Formen wie der Iwan oder die Kuppel ausprobiert und dienten später als Vorlage für die Gebäude in Timurs Hauptstadt Samarkand. Leider konnten wir das Innere aufgrund von Bauarbeiten nicht wirklich besichtigen und fühlten uns von der Ticketverkäuferin ein wenig übers Ohr gehauen. Dafür war wenigstens die Hilvet-Untergrundmoschee, die von Hodscha Ahmad Yasawi eigenhändig in den Boden gegraben wurde, für Besucher offen. Heute ist sie sowohl Gebetsraum wie auch Museum und für viele Muslime der Region ein wichtiger Pilgerort. Die Moschee stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist exemplarisch für die damalige Bauweise, bei der Häuser komplett oder teilweise unterirdisch gebaut wurden, um Kältedifferenzen und Stürmen besser zu trotzen.
Nachdem wir die ganze Anlage besichtigt hatten und auch noch kurz auf der alten Stadtmauer spazierten, gingen wir weiter in die moderne Innenstadt, die leider auch hier mehr einem offenen Einkaufszentrum gleicht. Trotzdem ist der kleine Kanal, die Häuser im klassisch sandfarbenen Stil, gepaart mit modernen Designelementen, ganz nett anzuschauen. Wir bummelten an den Schaufenstern entlang und gingen noch in einen riesigen Supermarkt, um Nudelsuppe und Wasser für die morgige Zugfahrt zu kaufen. Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir zurück zum Hotel. Dort angekommen wollten wir noch ganz gemütlich unsere Nachtzugtickets für den nächsten Tag nach Bischkek online buchen. Was wir nicht wussten: Der Ticketverkauf schliesst zwölf Stunden vor Abfahrt. Wir gingen unsere Möglichkeiten durch, aber keine schien reizvoll und alle führten dazu, dass wir heute noch zum Bahnhof fahren mussten, in der Hoffnung, der Ticketschalter hätte noch offen. Wir gingen also raus auf die Strasse, riefen ein Taxi, liessen uns zum Bahnhof fahren und erklärten dort der Dame hinter dem Ticketschalter mit Händen und Füssen und Google Translate, dass wir unbedingt noch ein Ticket für morgen brauchten. Sie schien unsere Aufregung nicht ganz zu verstehen und antwortete uns mit Händen, Füssen und ChatGPT, dass wir nur bar bezahlen können. So viel hatten wir aber nicht dabei. Also wieder raus aus dem Bahnhof auf der Suche nach dem nächsten Geldautomaten, was wirklich nicht immer einfach war. Hier hatten wir Glück, dass ein Bankomat mit mässigen Gebühren für einmal genau da stand, wo ihn die Karten-App auch verortete. Zurück am Schalter händigte uns die gute Frau unsere Fahrkarten aus. Sie hatte extra schon alles vorbereitet.
Zurück beim Hotel suchten wir ein Restaurant, das wir schon zuvor auf der Karten-App des grossen Suchdienstleisters gesehen hatten. Aber es blieb bei der Suche, denn wie es schien, existierte das Restaurant nicht mehr. Dafür fanden wir eine Art Mensa, eine riesige Halle, wo allerlei Arbeiterinnen und Arbeiter plattenweise ihren Hunger stillten. Da es einer der wenigen Orte war, welcher um diese Zeit noch offen hatte, gesellten wir uns dazu. Das Essen war superköstlich und wurde nur noch vom Früchtetee übertroffen, der glatt süchtig machen könnte.
Im Wissen, dass unser Zug erst kurz nach am frühen Abend losfuhr, haben wir wohlweisslich im Hotel gefragt, ob wir erst später das Zimmer verlassen könnten. Da das Hotel ausser uns und einer Volleyballmannschaft leer war, war es auch kein Problem. Wir genossen unsere verbleibende Zeit in Turkestan mit einem guten Kaffee und im schönen Hotelzimmer. Am Nachmittag holten wir unsere Rucksäcke. Bevor wir über zwanzig Stunden im Nachtzug verbringen werden, wollten wir uns nochmals den Bauch vollschlagen. Wir gingen zurück zur selben Mensa, wo wir schon am Tag zuvor waren, und es gab nochmals Laghman für uns.

















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