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Trabzon

29. August 2025

Am Abend um 19:00 Uhr hätte unser Bus von Göreme nach Trabzon fahren sollen. Die Stadt kannten wir bisher vor allem als Gegner unseres FC Basel in der Conference League. Da sie ungefähr auf halber Strecke nach Georgien lag, bot sie sich als gute Zwischenstation an. Wir entschieden uns für den Nachtbus, denn die Fahrt dauerte rund elf Stunden und wäre tagsüber kaum auszuhalten gewesen. Doch der Bus verspätete sich erheblich. Warum genau, erfuhren wir nicht, zumal er nicht einmal ausgebucht war. So warteten wir zweieinhalb Stunden am Busbahnhof, ohne Informationen darüber, wann der Bus eintreffen würde. Zum Glück konnten wir über die FlixBus-App zumindest sehen, dass er später kommen sollte, wie viel später blieb allerdings unklar. Als wir endlich losfuhren, versuchten wir ein wenig zu schlafen. Entspannt war das in einem Reisebus natürlich nicht, doch ein paar Minuten Schlaf lagen immerhin drin. Am Morgen führte die Strecke entlang der Küste des Schwarzen Meeres und jedes Mal, wenn wir die Augen öffneten, bot sich uns ein schöner Blick aufs offene Wasser.

Mittags erreichten wir Trabzon, südlich der Stadt am neuen Busterminal. Unser Hotel lag nur einige Gehminuten nördlich davon und wir waren froh, nach der langen Fahrt unsere Beine vertreten zu können. Da die meisten Hotels im Zentrum bereits ausgebucht waren, nahmen wir ein günstiges Aparthotel im Viertel «1 Nolu Bostancı». Es lag in einer ruhigen Seitenstrasse, während sich an der Hauptstrasse des Viertels zahlreiche Grills, Restaurants und Cafés reihten. Nachdem wir im Hotel noch eine Stunde geschlafen hatten, spazierten wir zum Forum Trabzon, einem riesigen Einkaufszentrum. Eigentlich wollten wir aber vor allem ans Meer, das direkt dahinter lag. Leider trennte eine vierspurige Schnellstrasse die Küste vom Wohn- und Geschäftsviertel, wie so oft auf der Welt. Gleich hinter dem Forum befand sich eine kleine Fischersiedlung. Dort kamen wir mit einem Fischer ins Gespräch, der uns stolz sein Boot zeigte. Sein Nachbar bot uns spontan an, mit ihm auf die andere Seite des Hafens zu fahren, damit wir in seinem Restaurant den Fang probieren könnten. Wir lehnten jedoch dankend ab.

Trabzon war für uns zunächst nur als Durchgangsstation gedacht, doch wir entschieden uns, mindestens einen vollen Tag dort zu verbringen. Am nächsten Morgen nahmen wir den Dolmus bis zum Meydan, dem zentralen Platz in der Innenstadt. Von dort schlenderten wir durch enge Gassen und beobachteten das Treiben bei einem Chai. Am Nachmittag spazierten wir gemütlich der Uferpromenade entlang, bis wir die grösste Sehenswürdigkeit der Stadt erreichten: die Ayasofya. Vor unserer Ankunft hatten wir noch nie von ihr gehört. Die Kirche, heute Moschee, wurde im 13. Jahrhundert nach dem Vorbild der berühmten Ayasofya in Istanbul gebaut, wenn auch wesentlich kleiner. Damals war Trabzon, unter dem Namen Trapezunt, Hauptstadt des gleichnamigen Kaiserreichs. Die Fresken im Innenraum wurden bei der Umwandlung in eine Moschee grossenteils zerstört. In den 1950er Jahren restaurierte man das Bauwerk und eröffnete es als Museum, bis es 2013 wieder zur Moschee wurde. Heute kann man die Ayasofya und ihren Hof ausserhalb der Gebetszeiten kostenlos besichtigen.

Nach unserer Erkundung gingen wir direkt zurück in die Innenstadt, wo uns eine riesige Portion Çiğköfte erwartete. Da alle Dolmus in Richtung unseres Viertels beim Forum hielten, stiegen wir dort aus und nutzten die Gelegenheit, um Proviant für den nächsten Tag zu besorgen. Die riesige MMMigros (3M-Migros), nach dem gleichen Grössenschema wie die Migros in der Schweiz benannt, liess keine Wünsche offen. Anders als die Schweizer Migros verkauft ihre türkische Schwester sogar Alkohol.

Trabzon war für uns weit mehr als nur eine Zwischenstation. Die fussballverrückte Stadt, in der man kaum einen Meter ohne eine Fahne des Stadtklubs zurücklegt, war touristisch nicht so stark erschlossen wie andere Orte und gab uns dadurch einen authentischen Einblick in das Leben einer türkischen Grossstadt.

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