Sereflikoçhisar

22. August 2025

Da wir wussten, dass wir in der Türkei unbedingt die Kappadokien besuchen wollten, diese aber von Istanbul aus mehr als eine Tagesreise entfernt lag, beschlossen wir, unterwegs einen Zwischenstopp einzulegen. Wie man es heute so macht, konsultierten wir nicht nur Google, sondern auch ChatGPT und was sollen wir sagen: Er spuckte uns den Ort Şereflikoçhisar aus. Wir dachten uns: Na dann, nichts wie hin.

Mit dem Schnellzug, demselben Zugmodell, das wir in Deutschland als ICE kennen, fuhren wir zunächst nach Ankara und von dort aus mit dem Bus weiter in die Kleinstadt. Sie hat einige Restaurants, kleine Shops, eine ganz niedliche Fussgängerzone und zwei Hotels im Angebot. Und überall hörten wir Deutsch. Als wir das Hotel nicht gleich fanden, begleitete uns kurzerhand eine ganze Familie aus Österreich die letzten Meter. Später erfuhren wir, dass viele Menschen aus der Region nach Deutschland oder Österreich ausgewandert sind.

Ja, das Hotel war nicht teuer, aber sein Geld trotzdem definitiv nicht wert. Was soll’s, Konkurrenz gab es ohnehin keine. Das Städtchen, wirklich keine Augenweide, hatte immerhin sehr gutes Essen zu bieten. Der Iskender-Kebab war hervorragend und die Linsensuppe, die wir als Vorspeise bestellten, war unglaublich aromatisch und wunderbar gewürzt.

Am nächsten Tag liessen wir es gemütlich angehen. Stress hatten wir keinen, denn die einzige Attraktion der Region lag nur etwa zehn Minuten entfernt und war bequem mit dem Bus erreichbar. Naja, bequem ist relativ: Wir bekamen im vollen Bus zwei geflochtene Hocker im Gang zugewiesen, doch angesichts der kurzen Fahrzeit war es auszuhalten.

Angekommen am Tuz Gölü, einem Salzsee und zugleich dem zweitgrössten See der Türkei, kämpften wir uns zunächst durch das Besucherzentrum, das Salz in allen erdenklichen Formen und Farben anbot, bis wir endlich den See selbst betreten durften. Der Anblick war wirklich etwas Besonderes: Ein weisser Boden, soweit das Auge reichte, durchzogen von leicht rosafarbenen Einschlüssen, die in der grellen Sonne funkelten. Die ersten zwanzig Meter vom Besucherzentrum entfernt war die Hölle los, doch wir gingen weitere zehn Minuten hinaus und standen plötzlich ganz allein. Je weiter man auf den See hinausläuft, desto weicher wird die Salzkruste und irgendwann bleibt einem nichts anderes übrig, als die Schuhe auszuziehen, weil das Salz fest an ihnen klebt. In der Breite lässt sich der See gut überblicken, doch blickt man nach Süden, erstreckt er sich bis zum Horizont, ein eindrückliches Bild, alles in Weiss.

Weiter im Süden wird Salz industriell abgebaut und das dort gewonnene Salz deckt während der Sommermonate etwa ein Drittel des türkischen Bedarfs. Wir waren Ende August am Tuz Gölü, als der See bereits vollständig ausgetrocknet war. Wäre man früher im Jahr dort, ergäbe sich mit der dünnen Wasserschicht, die wie ein Spiegel wirkt, sicher ein ganz besonderer Eindruck.

Zurück an der Strasse warteten wir auf unseren Bus, der uns um 19 Uhr wieder abholen sollte. Da wir nicht genau wussten, wo er halten würde, stellten wir uns einfach an den Strassenrand, in der Hoffnung, ihn rechtzeitig zu erkennen. Wir diskutierten gerade, ob wir nicht einen der vielen Autos mit deutschem Kennzeichen anhalten und um eine Mitfahrgelegenheit bitten sollten, als ein Reisebus direkt neben uns einen Vollstopp hinlegte und uns jemand zuwinkte. Offenbar war Evas gestenreiche Unterhaltung als Autostopp missverstanden worden. Dankbar, die Rückfahrt nicht wieder auf Hockern verbringen zu müssen, stiegen wir ein und fuhren zurück.

Şereflikoçhisar ist sicher kein Prunkstück unter den Provinzstädten der Türkei, doch der Ort gab uns einen kleinen Einblick in das alltägliche Leben und der Besuch des Salzsees zeigte uns, dass grosse Naturschauspiele manchmal näherliegen, als man zunächst denkt.

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