Wir bestiegen in Ubon den öffentlichen Bus nach Pakse, der sehr günstig ist. Wir haben die Tickets nach unserer Tour zum Nationalpark beim Busbahnhof geholt. Man hätte die Tickets wohl auch online kaufen können, aber so waren wir sicher, dass wir fahren konnten. Der Bus war mehr mit Waren vollbepackt als mit Passagieren und etwa zwei Stunden nach der Abfahrt erreichten wir die Grenze zu Laos. Die Ausreise aus Thailand war extrem schnell vorüber und gleich danach wunderten wir uns, dass wir das Gepäck gar nicht dabei hatten. Wir waren ein wenig nervös, aber scheinbar hatte niemand das Gepäck dabei. Wir waren unsicher. Der Weg nach Laos führte durch einen vergitterten unterirdischen Gang entlang und danach zum laotischen Zollhaus. Dort gaben wir dem Zollbeamten unseren Pass und nachdem er uns fragte, wie lange wir gedenken in Laos zu bleiben, stempelte er ohne weitere Fragen unseren Pass ab. Wir profitierten davon, dass Laos für Personen aus der Schweiz und Luxemburg für zwei Wochen und als Tourist visafrei ist.
Nach dem Grenzübergang sahen wir sogleich unseren Bus, wie er davonfährt. Wir waren total erschrocken, immerhin waren unsere Sachen noch dort im Bus. Als wir wenig später aber andere Reisende aus unserem Bus erblickten und uns ein Laote bestätigte, dass unser Bus bald kommen werde, beruhigten wir uns. Obwohl wir Horrorgeschichten zu diesem Grenzübergang lasen, war die Einreise ganz entspannt. Es ging weiter nach Pakse, und wir wurden an einem Busbahnhof einige Kilometer ausserhalb der Stadt ausgeladen, samt Rucksäcke. Schon bald konnten wir an der Hauptstrasse einen Geldautomaten finden und somit ein Taxi zur Unterkunft buchen.
Pakse ist die drittgrösste Stadt von Laos, mit seinen rund 70 000 Einwohnern aber recht überschaubar. Wir hatten ein super schönes Zimmer in einem Gasthaus, das sehr zentral gelegen war und von dessen Grundstück man auf den Mekong schauen konnte. Ein kleines idyllisches Paradies, mitten in der Stadt. Wir erkundeten die Stadt und spazierten am Park entlang, der im Süden der Innenstadt am Mekong entlangführt. Wir hatten das Gefühl, fast alle Menschen der Stadt waren hier am Joggen oder absolvierten ihr Training. Wir schauten der untergehenden Sonne zu und genossen dem Treiben der Stadt zuzuschauen.
Am nächsten Morgen besuchten wir das «Le Boulanger», welches von einem Franzosen geführt wird und jeden Morgen frische Baguettes, Croissants und Pains au Chocolat in die Auslage stellt. Wir probierten seine Baguettes, denn schon nach einer Woche ohne echtes Brot hatten wir es sehr vermisst. Wir bemerkten schnell, dass hier in Pakse einige französische Personen hängengeblieben sind und der grösste Teil der wenigen Touristen hier auch französischsprachig waren. Neben dem «Le Boulanger» gäbe es noch das «Sésé», welches französische Speisen, Burger und Bier aus Frankreich und Belgien anbietet, das «Uncle Eddie – Idaho Burger» Restaurant, das von einem Franzosen geführt wird, und zum Schluss natürlich Yves vom Motorradverleih «Miss Noy», der zwar Belgier ist, aber seine Vorträge zum Pakse-Motorad-Loop sind beinahe schon Kult.
Wie fast alle Backpacker wollten wir in Pakse die bekannte Motorradtour machen, den Bolaven- oder Pakse-Loop. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Loop zu fahren. Der kleine Loop ist eine Strecke von zwei bis drei Tagen, der grössere Loop könnte man in drei Tagen, aber wahrscheinlich eher in vier Tagen fahren. Auch wenn es viele Motorradverleiher in Pakse gibt, so bewirbt nicht nur das «Lonely Planet», sondern auch viele andere «Miss Noy». Auch wir haben dort angefragt und bestätigt bekommen, dass wir am nächsten Tag eine Honda Click, also einen vollautomatischen Roller, ausleihen könnten. Wir kamen also am Abend vorbei, um die Einführung von Yves zu hören und er erklärte halb auf Französisch, halb auf Englisch, was einem auf dem Loop erwartet und welche Sehenswürdigkeiten es gäbe. Nach etwa einer halben Stunde entliess er diejenigen, die den kleinen Loop fahren, allen anderen hat er für die grössere Strecke noch weitere Tipps gegeben. Ich verstehe, dass man Yves mögen kann oder nicht, für uns als Anfänger, was die Motorrad-Rundfahrten in Südostasien angeht, war die Einführung ganz hilfreich und gab uns ein gutes Gefühl, dass wir das meistern können.
Am nächsten Morgen ging es los, wir waren wie von Yves vorgeschlagen um 9:00 beim Motorradverleih, wo wir den Roller entgegennahmen, letzte Detailinformationen bekamen, unsere kleinen Rucksäcke verstauten, einen Helm aufsetzten und losging es alles der Hauptstrasse entlang. Wir starteten sanft, um durch den dichten, aber langsamen Verkehr in der Innenstadt zu kommen. Bei der ersten Tankstelle, die geöffnet war, liessen wir unseren Tank füllen, denn der Benzinmangel aufgrund des Iran-Kriegs ist hier viel mehr ersichtlich, als es bei uns in Europa zu sein scheint. Bald kam die Abzweigung in Richtung Norden und wir waren auf dem Pakse Loop. Die Strasse war erstaunlich gut, geteert und geflickt, aber oft nicht viel schlechter als Überlandstrassen bei uns zu Hause. Wir steuerten alles der Strasse entlang, kamen alle fünf bis zehn Kilometer an einem Dorf vorbei, und die Umgebung wurde ländlicher. Nach etwa drei Viertel der Strecke nach Tad Lo, unserem Tagesziel, hielten wir bei Mr. Vieng. Er ist ein Plantagenbesitzer, der sich in den letzten Jahren vor allem auf den Anbau von Kaffee spezialisiert hatte. Da der Kaffee aber viel Schatten benötigt, baut er auch weitere Pflanzen an, wie Mangos, die Schatten spenden und Maniok, um neben dem fluktuierenden Kaffeepreis ein stabiles zweites Einkommen zu haben. Er macht auch Touren über seine Plantage, die nicht wirklich ergiebig, aber ganz in Ordnung ist. Wir assen noch Fried Rice und aufgrund der Hitze waren wir nicht wirklich hungrig, merkten dann aber erst beim Essen, dass etwas Nahrung uns sehr gut tat. Wir brachten die letzten Kilometer bis nach Tad Lo hinter uns und fuhren direkt bis an den Fluss. Die meisten übernachten bei Mamapap, wo es die günstigsten Preise pro Nacht gibt, wir waren aber beim Gasthaus Sipasert. Sie haben Zimmer mit Klimaanlage, die sie über Booking.com vermieten, die älteren Zimmer mit Ventilator sind aber günstig und reichen für eine Nacht längstens. Wir machten kurz Pause und gingen danach den Tad Lo Fluss aufwärts, bis zum Tad Hang- und dem Tad-Lo Wasserfall. Wir wollten noch weiter hoch, aber der Pfad war nicht mehr instand gehalten und für uns nicht passierbar. Also gingen wir wieder zurück und badeten ein zweites Mal im Becken des Tad-Lo-Wasserfalls. Als wir gerade gehen wollten, bekamen wir von einigen Einheimischen, die dort gerade einige Bier tranken, eine Dose vietnamesisches Bier in die Hand gedrückt. Wir tranken eines mit ihnen und fragten, was sie arbeiteten. Der eine, der uns das Bier anbot, war Modell, die andere arbeitet als Kauffrau bei einer Firma, die Öl- und Lebensmittel nach Laos importiert. Kurz darauf wurden wir von der Polizei dazu aufgefordert, den Platz zu verlassen und wir traten den Weg zurück zur Unterkunft an, alle anderen zogen weiter.
Im Gasthaus assen wir noch Gemüsesuppe, Papayasalat und Pad Krapao. Wir waren froh, gleich ins Bett fallen zu können, und wir schliefen tief und fest, bis uns die Sonnenstrahlen durch den dünnen Vorhang weckten. Wir nahmen noch ein kleines Frühstück ein, bevor wir uns wieder auf unseren Roller schwangen und die Fahrt ging weiter. Nur ein wenig weiter passiert man am Rande das Dorf von Kok Phoung Tai. Will man es betreten, zahlt man eine Eintrittsgebühr, die der lokalen Bevölkerung zugutekommt. Die meisten, die hier landen, machen eine Tour bei Captain Hook, der auch ein Homestay betreibt und je nach Sichtweise sehr umstritten ist, erklärt er scheinbar auch bereitwillig, wie in seinem Dorf sechs- bis zwölfjährige Mädchen verheiratet werden. Er betreibt auch ein Gasthaus, genauso wie Mr. Somephone, der das Treiben bei Captain Hook mit Argwohn betrachtet. Wir zogen es vor, am Dorf vorbeizufahren, da wir den zweiten Abschnitt an diesem Tag noch fertigfahren und nicht allzu gestresst sein wollten. Ein wenig später erreichten wir das Dorf Thattaeng Tai, von wo man auf den grossen Loop abbiegen könnte oder wo man, falls man den zusätzlichen Miniloop fährt, wieder auf die Hauptstrasse zurückkehrt. Wir fuhren in gemächlichem Tempo weiter. Ab hier nimmt die Steigung merklich zu, und der Motor unter unseren Hintern musste richtig arbeiten, um mit uns den stetigen Anstieg bewältigen zu können. Hier war auch der schönste Teil der Strecke, die wir gefahren sind. Man sieht über das Bolaven-Plateau, einige Plantagen, aber vor allem dichte grüne Wälder überall rund um uns herum.
In Paksong, der Provinzhauptstadt, bogen wir von der Hauptstrasse ab, um beim «Paksong Highland Coffee», wie der Name schon sagt, einen Kaffee zu trinken. Die Aussicht direkt auf die Kaffeeplantagen ist einzigartig. Neben Kaffee bauen sie auch Kakao an, und selbstgemachte Schokolade verkaufen sie auch direkt an der Theke. Auf der Strecke nach Paksong bis zurück nach Pakse liessen sich noch etliche Wasserfälle anschauen. Wir entschieden uns für den Tad Yuang, Tad wahrscheinlich für Wasserfall, da alle Wasserfälle Tad hiessen und den nur einige Kilometer weiter liegenden Tad Champee. Tad Yuang war relativ touristisch und wahrscheinlich der Wasserfall, der in dieser Gegend am meisten besucht wird. Es hat viele Essensstände, und verschiedene Wege führen hinab zum See unter dem Wasserfall, von wo aus man den dünnen Wasserstrahl in die Tiefe stürzen sieht. Auch oben am Wasserfall führen verschiedene Wege in einem parkähnlichen Gebiet umher, der von vielen Einheimischen als Picknickplatz gewählt wird. Die Campingstühle sind dabei direkt im Wasser, was die Füsse und somit den ganzen Körper kühl hält. Wir schwangen uns wieder auf den Roller, um nur 10 Minuten weiter zum Tad Champee abzubiegen. Die Fahrt in die Nähe des Wasserfalls ist nicht ganz so einfach, die Strasse ist in verschieden gutem Zustand, wobei gute Reaktionsfähigkeit sicher hilft, rund um die Schlaglöcher herumzunavigieren. Dieser Wasserfall ist komplett anders, er fällt über eine breite Kante, liegt mitten im Wald, und unten im See lässt es sich hervorragend schwimmen. Auch wir haben gleich die Möglichkeit ergriffen, uns abzukühlen, und sprangen schnell in das kühle Nass. Es war der letzte Stopp unserer ersten Rollerreise, unseres ersten Motorrad-Loops. Die letzten Kilometer führen durch die nicht gerade schönen Vororte von Pakse, bis wir am späten Nachmittag die Innenstadt erreichten und wieder zum gleichen Gasthaus gingen, in dem wir vor der Tour schon waren.
Am nächsten Tag starteten wir nochmals früh, um die etwa einstündige Fahrt nach Vat Phou noch vor Mittag hinter uns zu bringen. Die Strasse führt alles dem Mekong entlang bis nach Champasak, einem kleinen Dorf mit sehr ursprünglichem Charakter direkt am Mekong. Wir fuhren durch das Dorf durch bis zum Tempel-Eingang, wo wir zuerst den Eintritt entrichteten und danach gleich eine kalte Limonade und Wasser kauften, um den Durst nach der relativ langen und heissen Fahrt zu stillen. Hinter dem Eingang kann man das Museum zum Tempel besuchen, und auf dem Vorplatz warten E-Golfcarts, die die Besucher weiter bis zum unteren Teil des Tempels bringen. Wir sahen uns die beiden grossen Gebäuderuinen an, bevor wir uns den steilen Aufstieg zum oberen Teil des Tempels in Angriff nahmen. Die unebenen Stufen, die Hitze und die extreme Steigung machten es nicht gerade gemütlich. Oben angekommen hatten wir einen tollen Ausblick auf die untere Tempelanlage, und man konnte erahnen, wie erhaben dieser Tempel seiner Zeit ausgesehen haben musste, konnte man hier doch über die ganze Flussebene schauen. Heute sahen wir oben die Trümmer des ehemaligen Tempels, die Steine lagen überall herum, einige waren mit Elefanten- und Schlangengravuren versehen. Nach dem Abstieg ging es zurück nach Champasak, wo wir ein Mittagessen zu uns nahmen, um gestärkt den Rückweg nach Pakse hinter uns zu bringen. Kurz vor 18 Uhr waren wir wieder bei Miss Noy, wo wir unseren Roller zurückbrachten und unser erstes Rollerabenteuer abschlossen.
Pakse ist ein toller Ort, der uns viel besser gefiel, als wir von den Erzählungen her dachten. Der Rollerverleih von Miss Noy ist dort fast schon legendär, wenn auch ein wenig teurer als andere. Erfahrene Motorradfahrer, die viele solche Loops schon gefahren sind, können sicher in anderen Shops günstiger gleich- oder besserwertige Motorräder mieten. Für Anfänger wie uns war es einfach perfekt. Nun geht es schon weiter zum letzten Ort des kurzen Aufenthalts in Laos.






























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