Schymkent

20. Oktober 2025

Von Taschkent ging es am Nachmittag nach einem letzten Kaffee in Usbekistan per Zug nach Schymkent zurück nach Kasachstan. Auch wenn die Strecke mit 134 km kurz erscheint – immerhin liegen die beiden Städte mehr oder weniger direkt gegenüber an der Grenze –, war die Fahrt mit sechs Stunden veranschlagt. Mit dieser Information konnten wir schon unsere Schlüsse ziehen, was uns an der Grenze erwarten würde. Der Wagen war eindeutig ein neueres Modell und mit relativ wenig Passagieren besetzt. Und ja, die Zollformalitäten waren tatsächlich wie befürchtet relativ ausführlich, aber da es noch Tag war, um einiges angenehmer als mitten in der Nacht bei der Einreise nach Usbekistan. Wiederum stiegen die Grenzbeamten in den Zug zu und nahmen alle Formalitäten auf, die für sie wichtig waren. Gepäck wurde wieder durchsucht und scheinbar wichtige Grenzer in Militäruniformen durchschritten mit strengem Blick und Schlagstock die Gänge, während immer wieder Polizeihunde an allem schnüffelten, was sich bewegt oder nicht bewegt. Aber alles in allem war es viel entspannter als bei Nacht.

Angekommen in Schymkent orderten wir uns ein Taxi. Wir hatten über Airbnb ein ganz schmuckes Apartment am Rande der Stadt gemietet. Es lag in einer Neubausiedlung, war komplett neu und modern eingerichtet und wir hatten neben dem Schlafzimmer auch ein Wohn-Esszimmer mit offener Küche. Am nächsten Tag machten wir uns auf in Richtung der Altstadt, wo wir für Eva eine kasachische SIM-Karte besorgten. Die Stadt ist unspektakulär. Dass wir hier gleich einige Tage blieben, war vor allem dem Umstand geschuldet, dass wir nach Wochen wieder einmal selbst kochen und uns Zeit nehmen wollten, die vielen Eindrücke, die wir in Usbekistan sammelten, zu verarbeiten. Wir gingen also weiter bis zum Basar und kauften allerlei Gemüse und Salate für die nächsten Tage. Auch mit Gewürzmischungen und Teigwaren deckten wir uns ein. An einem Stand, an dem wir nach Linsen fragten, wurden wir damit sogar beschenkt. Alles Insistieren nützte nichts; der Verkäufer hiess uns mehrmals willkommen in Schymkent und freute sich einfach riesig, dass sich ein paar westliche Touristen in seine Stadt verirrten.

Die restlichen Tage verbrachten wir grösstenteils in unserem Hochhausbezirk. Wir assen unglaublich gute Torten in einem nahen Café, welches schon bald zu unserer Alltagsroutine gehörte, wir assen unsere selbstgekochten Eintopfgerichte und entspannten uns auf dem Sofa. Die einzige Sehenswürdigkeit, die wir hier besuchten, war die neue Moschee Seyitjan Kari Esanuly, die bei uns gleich um die Ecke lag. Sie wurde 2024 eröffnet und besteht komplett aus weissem Marmor und Granit, was dem Gotteshaus eine ganz besondere Eleganz verleiht. Ausserdem ist die Kuppel mit ihren 56 Metern Durchmesser die grösste von ganz Zentralasien. Da wir extrem verwirrende Anweisungen bekamen, wo sich der Besuchereingang befindet, landeten wir aus Versehen im Wartezimmer für Paare, die sich gleich das Ja-Wort geben wollten. Als wir dann endlich den Einlass fanden, sahen wir die reichlich mit Gold verzierten Innenräume und die Kuppel wirkt von innen nochmals imposanter als der Blick von aussen.

Auch die gemütlichen Tage nahmen ein Ende und es war Zeit weiterzuziehen. Hatten wir denn ein bestimmtes Ziel? Unsere lose Reiseplanung sah für uns vor, dass wir in circa zwei Wochen die Grenze zwischen dem neunt- und viertgrössten Land überqueren werden. Wir werden sehen, ob uns das gelingt.

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