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Samarkand

15. Oktober 2025

Noch in Buchara gingen wir nach dem Mittagessen zurück ins Hotel, um unser Gepäck zu holen und orderten ein Taxi über die weitverbreitete Fahrdienst-App. Wir hatten eigentlich genügend Zeit einberechnet, waren aber nicht darauf vorbereitet, dass es im Gassengewirr der Innenstadt auch für Taxifahrer schwierig ist, sich zurechtzufinden, beziehungsweise einige Gassen nicht breit genug sind, damit das Taxi ohne Probleme durchkommt. Dies führte dazu, dass unsere grosszügige Anreisezeit nun immer mehr schmolz. Als endlich das Taxi um die Ecke bog, war es auch noch das kleinste Gefährt auf vier Rädern, das wir seit langem gesehen hatten. Unser Gepäck mit Eva auf der Rückbank hatte gerade so Platz, der Kofferraum wäre nicht einmal gross genug gewesen, um unsere Tagesrucksäcke zu verstauen. Als ihm klar wurde, dass wir inzwischen ein wenig im Zeitstress waren, drückte er das Gaspedal durch und liess Pascal die Musikauswahl übernehmen, wobei er seichten Kuschelrock einstellte, um unsere Nerven ein wenig zu beruhigen. Natürlich ging schlussendlich alles rund, wir waren zehn Sekunden vor Abfahrt an Bord und der Zugwagen war derselbe, den wir schon aus den älteren ICE-Zügen kennen, entsprechend komfortabel gestaltete sich die Fahrt.

Samarkand, schon der Name lässt viele schwelgen. Kaum jemand hat den Ortsnamen noch nicht gehört und wenn jemand irgendeine Stadt an der Seidenstrasse benennen sollte, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sie «Samarkand» ausspricht. Das Bild des Registan, des grossen Platzes mit den wunderschönen Gebäuden und Mosaiken, ist weitum bekannt und wahrscheinlich haben viele dieses Bild schon einmal gesehen, ohne zu wissen, wo es zuzuordnen ist. Entsprechend gross ist der Andrang und der Ort ist der meistbesuchte in ganz Zentralasien. Dies führte dazu, dass es nicht gerade einfach war, eine Unterkunft in unserem Budget zu finden, aber wir waren ganz zufrieden, als wir im Hostel mitten in einer Wohnsiedlung unser kleines Zimmer bezogen. Wir gingen in der Nähe im Restaurant Istanbul essen und waren froh, mal wieder etwas Bekanntes zu essen. Trotz spannender Gerichte, die wir in Zentralasien kennenlernen durften, war das Essen doch eher eintönig, wobei türkisches Essen sich jetzt nicht allzu sehr vom zentralasiatischen unterscheidet: sehr fleischlastig.

In den zwei Tagen, die wir in Samarkand hatten, wollten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der Stadt sehen. Aber schon als wir am ersten Morgen die grosse Universitätsallee hinunterspazierten, merkten wir, dass hier einfach mehr los ist und noch viel mehr Touristengruppen unterwegs waren. Beim Gur-Emir-Mausoleum gab es eine riesige Warteschlange, um an Eintrittskarten zu kommen, so dass wir beschlossen, diese Stätte gekonnt auszulassen. Gleich dahinter fanden wir das kleine Aksaray-Mausoleum, das von aussen ganz unscheinbar war. Der Wärter wollte ein kleines Eintrittsgeld, das wir gerne abgaben und wir hatten die Ruhestätte einige Zeit ganz für uns alleine. Pascal kletterte noch in die Grabstätte hinab, die sich unterhalb der Halle des Mausoleums befindet. Die Mosaike an der Decke sind einfach nur wunderschön, aber die Ruhe, die wir hatten, war eigentlich das Beste daran.

Nicht viel weiter in Richtung Innenstadt steht das Wahrzeichen der Stadt, der Registan. Der wahrscheinlich bekannteste Platz ganz Zentralasiens hat seine internationale Bekanntheit nicht umsonst. Die Medrasa und die Moschee, die sich gegenüberstehen, sind tatsächlich faszinierend. Trotzdem sind wir weiter, wissend, dass wir noch einige Zeit in Samarkand sind. Wir liessen uns durch die Stadt treiben und assen Plov in der Toshkent Kuchasi, der einzigen Fussgängerzone der Stadt.

Am nächsten Tag stand Sightseeing auf dem Programm. Wir gingen früh genug los, um vor den ganzen Reisegruppen am Registan zu sein, was uns tatsächlich gelang. Den Platz hatten wir praktisch für uns und die wunderschön restaurierten Gebäude mit ihren Mosaiken sind von Nahem einfach nochmals schöner als von der Absperrung aus. Vor allem die Mosaike der Medrasa, die mathematische Symmetrien zeigen und Formen, die sich quasi-periodisch wiederholen – was in Europa erst in den 70er Jahren erstmals beschrieben wurde – haben es uns angetan. Wir hätten wohl Stunden mit dem Anschauen der Mosaike verbringen können und wenn man sich vorher informiert, liessen sich wohl noch viele weitere mathematische Grundsätze in den Farben und Formen entdecken. Nachdem wir wirklich lange auf dem Registan waren, gingen wir zum nächsten Highlight der Stadt, der Bibi-Khanum-Moschee, die ebenfalls einen wunderschönen Iwan besitzt. Erstaunlicherweise hatte es hier fast mehr Menschen als auf dem Registan, wobei die Menschenmenge dort sich viel besser verteilt als in einer einzelnen Moschee. Am späteren Nachmittag erreichten wir den Siyob-Bazar und schlenderten darüber und liessen die vielen Farben und Gerüche auf uns wirken. Wir kauften ein Naan, welches in Zentralasien immer reichlich verziert ist und frisch gebacken einfach köstlich duftet. Nun gingen wir aber schnell zurück zum Hostel, wir wollten bereit sein, um am Abend die Stadt nochmals anders zu entdecken. Gegen Abend kühlte es in ganz Usbekistan empfindlich ab. Kurz vor acht Uhr waren wir wieder vor dem Registan-Platz. Die Anzahl Personen, die sich auf den Treppen davor versammelten, hielt sich noch in Grenzen, darum holten wir uns noch etwas Warmes zu trinken, um der Kälte entgegenzuwirken. Zurück beim Registan warteten wir geduldig, bis um 21:00 Uhr endlich die Show startete. Erst kurz zuvor wurde der Platz auf der Treppe ein wenig enger, aber grundsätzlich hätten wir auch kurz vor knapp kommen können, um uns die etwa einstündige Lichtshow anzusehen. Alle drei Gebäude des Registan werden zur grossen Projektionsfläche, wo zuerst ein zur Musik tanzendes Lichtmeer die Gebäude in verschiedene Farben taucht. Danach wird mit einer aufwendigen Animationsshow die Geschichte Usbekistans beziehungsweise Samarkands gezeigt – und zwar seit dem Urknall. Es ist zwar kein Muss, wenn man in Samarkand ist, aber die Show ist abwechslungsreich und sie kostet keinen Rappen Eintritt.

Nachdem wir zwei Lavash in einer riesigen Fastfood-Halle verspeist hatten, gingen wir zurück ins Hostel, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor es am nächsten Tag weiterging. Als wir dort ankamen, befürchteten wir schon, was leider wahr wurde: Das Wasserproblem, das den ganzen Tag schon anhielt, schien noch immer nicht gelöst worden zu sein. Wer es nicht erlebt hat, kann sich gar nicht vorstellen, wie schnell es unangenehm riecht in einer Unterkunft ohne fliessendes Wasser. Es war unsere erste Erfahrung dieser Art und nach einigen Monaten mehr Reiseerfahrung würden wir heute wohl das Problem anders angehen beziehungsweise lösen. Aber – und da können wir schlussendlich froh sein – es war die letzte Nacht für uns und schon am nächsten Morgen ging es weiter in die Hauptstadt.

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