Am Abend, nachdem wir nochmals durch Kutaissi gestreift waren, bestellten wir ein Taxi über die Fahrdienst-App Yandex Go. Eigentlich fuhr jede Stunde ein öffentlicher Bus vom Stadtzentrum zum Flughafen, aufgrund der für uns unpraktikablen Zeit bevorzugten wir jedoch ein Taxi. Die Preise für die Fahrt von der Stadt zum Flughafen waren für alle Taxis und Taxidienste fix von der Stadt festgelegt. Es dauerte etwa zwanzig Minuten, bis wir eintrafen. Der ganze Flughafen befand sich in einer einzigen grossen Halle, wobei die Sicherheitschecks die Halle in zwei Hälften teilten. Beim Aufgeben des Gepäcks fragte uns ein Mitpassagier, ob wir noch einige Flaschen georgischen Wein für ihn aufgeben könnten, was wir natürlich ablehnten. Auch wenn wir natürlich vom Besten im Menschen ausgehen, wollten wir beim Fliegen keinerlei Probleme bekommen. Nach den Sicherheitskontrollen, die super schnell abliefen, dauerte es nur noch einige Minuten, bis wir die Maschine der Fluggesellschaft FlyArystan, einer Low-Cost-Tochtergesellschaft des staatlichen Flugunternehmens Air Astana, betreten konnten. Kaum war die Maschine abgehoben und die nötige Reisehöhe erreicht, reichte die Zeit gerade noch, um den interessierten Passagieren eine Stange Zigaretten zu verkaufen, bevor der Landeanflug eingeleitet wurde. In Aqtau gelandet, dauerte es nur ein paar Minuten, bis wir unsere Rucksäcke auf dem Gepäckband entdeckten, sie schulterten und durch die Zollkontrollen gingen. Aufgrund der Zeitverschiebung war es schon später Abend und die Zollbeamten waren auch nicht mehr willens, allzu viele Fragen zu stellen. Die Pässe wurden gestempelt und wir waren in unserem siebten Land unserer Weltreise angekommen. Im Flughafengebäude verfolgte uns die ganze Zeit ein Kerl, der lautstark seinen Taxidienst anpries und uns gehörig auf die Nerven ging. Nachdem wir etwas Bargeld vom Geldautomaten holten, schauten wir uns im Gebäude um und sahen den einzigen anderen Touristen aus Europa. Wir fragten ihn, ob wir uns ein Taxi teilen wollten und er stimmte zu. Wir verhandelten mit dem Taxifahrer, der uns auf Schritt und Tritt verfolgte, und erzielten einen für beide Seiten scheinbar fairen Deal. Im Taxi sprachen wir mit unserem Mitfahrer und lernten Richard aus Wales kennen, der nach seinem Studium und einiger Zeit Arbeit als Architekt auf dem Weg war, seinen Kollegen aus dem Studium in China zu besuchen. Wie wir versuchte er, seine Reise grösstenteils ohne Flug zu machen. Angekommen bei seinem Hostel, verliess Richard den Wagen und wir wollten eigentlich weiterfahren, aber der Fahrer verlangte nochmals das Doppelte, um uns zu unserem Hotel zu fahren. Klar war unser Hotel ein wenig ausserhalb der Stadt, aber der Preis, den er verlangte, stand in keinem Verhältnis zu der Strecke, die es noch zu fahren galt. Nach einigen Wortgefechten stiegen wir also auch mit Richard aus dem Wagen und Richard zahlte den Fahrer den Preis bis zum Hostel. Er schien ganz zufrieden und fuhr schnell davon. Im Hostel verbanden wir uns mit dem WLAN, um uns über Yandex Go unser Taxi zum Hotel zu buchen. Spätabends und in totaler Dunkelheit kamen wir im Gebäudekomplex unseres Hotels an und checkten ein. Das Hotel hatte im Erdgeschoss ein edles kleines Restaurant, das bis nachts um zwei Uhr Essen servierte. Nachdem wir unser Gepäck im riesigen Zimmer ablegten, gingen wir nochmals zurück, um nach dem anstrengenden Tag noch etwas zu essen.
Nachdem wir ausgeschlafen hatten, begrüsste uns ein wundervoll sonniger Tag. Aber leider hatte sich Evas Erkältung in der Nacht noch verschlimmert und auch Pascal war ein bisschen angeschlagen. Wir wussten, dass wir mindestens vier Tage in Aqtau bleiben mussten – unser ursprünglicher Plan, gleich am nächsten Tag weiterzufahren, wurde durchkreuzt, da die Nachtzüge nach Nukus in Usbekistan schon weit im Voraus ausgebucht waren. Also verlängerten wir aufgrund unseres Gesundheitszustands im Hotel gleich noch um zwei weitere Nächte und freuten uns auf die Annehmlichkeiten dieses schicken Hotels, das sogar einen SPA-Bereich umfasste. Da wir in der Nebensaison im Hotel waren, waren die Preise sehr erschwinglich. Trotzdem mussten wir noch in die Stadt und hatten einige Dinge zu erledigen. Laut unserer Recherche konnten wir einfach in den Bus steigen, unsere Kreditkarte oder das Smartphone an das Terminal halten und schon war ein Ticket gelöst. Also machten wir genau das, ein aufmunterndes «Pling» bestätigte, dass ein Ticket gelöst worden sei, und wir fuhren in die Innenstadt von Aqtau. Dort angekommen, holten wir uns erstmal eine SIM-Karte, um mit der Aussenwelt in Kontakt zu bleiben, Taxis bestellen zu können und unsere Recherche zu Usbekistan weiterzuführen, da das WLAN im Hotel höchstens mässig war. Die Innenstadt von Aqtau bot nichts, das man gesehen haben müsste. Zwar lag die Stadt direkt an der Küste des Kaspischen Meeres und hatte auch einen kleinen Strand, der direkt vor unserem Hotel lag, aber im Oktober war es zu kalt, als dass man im See hätte baden können. Die Stadt war eine typische ehemalige Sowjetstadt mit vielen Plattenbauten, breiten Strassen und selbst die Parks hatten neben einigen Bäumen viel Beton verbaut. Die Hauptstrasse, die sich quer durch die Stadt zog, war grösstenteils gesäumt mit mittelmässigen Einkaufszentren und Fast-Food-Ketten und einigen spärlichen, gehobeneren Restaurants für die zahlungskräftige Kundschaft, die es im Sommer doch hier an den Strand zu ziehen schien.
In einigen der ehemaligen Kohlenkeller der Bauten entlang der Hauptstrassen verbarg sich ein anderes Bild. Hier hatten junge Unternehmer und Künstler kleine Läden, Galerien, Bars oder Cafés eingerichtet, wo sich Alternative, Studenten und junge Leute trafen, die davon träumten, etwas Grösseres im Land zu bewirken. Ein Café, das wir besuchten, bereitete unglaublich guten Cappuccino zu und wir kamen mit den Inhaberinnen ins Gespräch, die interessiert waren, woher wir waren und wohin es uns verschlagen würde. In einer Kellerbar, in der etwa zwölf Personen Platz hatten und in der wir an einem Abend ein Champions-League-Spiel verfolgten, kamen wir bald mit allen Besuchern ins Gespräch, da wir fragten, ob und warum sie untereinander Russisch sprachen. Sie erzählten uns, dass die meisten Kasachen zweisprachig seien und es verschiedene Ansichten darüber gäbe, welche Sprache im Land gesprochen werden sollte. Auf der einen Seite waren einige der Meinung, dass Kasachisch als Nationalsprache etabliert und daneben Englisch in den Schulen gelehrt werden sollte, während andere fanden, dass Russisch die gesamte Region verbinde und sie sich darum auch mit allen Einwohnern der angrenzenden Staaten verständigen könnten. Eine Abkehr vom Russischen würde die Region schwächen. Diejenigen, mit denen wir sprachen, gehörten eindeutig zum pro-russischsprachigen Lager, sprachen aber alle auch ordentlich Englisch. Juri, eine Journalistin, die dort mit ihren Kumpels das Spiel verfolgte, sagte uns, dass sie nur in Aqtau lebe, da es Meeranschluss besitze, es aber ansonsten nicht viel zu bieten habe, speziell im Herbst und Winter. Einer ihrer Kollegen war mehr daran interessiert, ob wir in Basel denn auch die Fussballspiele schauen würden, und zählte uns fast jeden Spieler auf, der je in Basel gespielt hatte, seitdem Alex Frei und Marco Streller beim FCB waren.
Ganz recht hatten sie nicht, dass die Region nichts zu bieten habe. Im Sommer schien Aqtau doch relativ beliebt zu sein bei Touristen, man konnte Jetski fahren und auch einen kleinen Yachthafen hatte Aqtau. Ein bisschen weiter weg, nördlich der Stadt, gäbe es in der Wüste super schöne Gesteinsformationen und ein Feld mit komplett runden Steinen, dessen Ursprung bis heute noch nicht gänzlich geklärt ist. Wir hatten eigentlich vor, eine Tour dorthin zu buchen, da wir aber beide angeschlagen waren, mussten wir unser Vorhaben zur Seite schieben und uns auskurieren. Wir blieben die Tage meistens im Hotel, genossen den SPA-Bereich mit Pool, Whirlpool, Sauna und Dampfbad. Wir lernten auch die russische Variante der Sauna kennen, die ähnlich der finnischen Sauna eher trocken und dafür sehr heiss ist. Die Saunakappen, die alle trugen und die auch in der finnischen Sauna bekannt sind, waren für uns erst gewöhnungsbedürftig, aber als wir es selbst ausprobierten, merkten wir schnell, dass wir mit der Kappe länger in der Sauna bleiben konnten und unsere Köpfe nicht so schnell heiss wurden.
Am letzten Tag gingen wir mit Richard in der Stadt ein spätes Mittagessen einnehmen. Er flog einige Stunden später weiter nach Usbekistan, er hatte leider keine Zugtickets mehr für den Nachtzug ergattern können und der nächste Zug wäre erst einen Monat später gefahren. Wir trafen uns in einem kleinen Restaurant und assen dort das erste Mal Lagman. Es ist ein zentralasiatisches Nudelgericht und wird entweder gebraten oder die Nudeln und Sauce werden separat zubereitet. In diesem Restaurant gab es etwa zwanzig verschiedene Versionen und wir alle assen unsere Teller mit Genuss, sie waren köstlich. Am Tag unserer Abreise kamen wir nochmals zurück, da wir diese Nudeln derart köstlich fanden und es war eine super Entscheidung, wir hatten danach nie mehr bessere Lagman.















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