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Göreme

26. August 2025

Von Şereflikoçhisar fuhren wir mit dem Dolmuş weiter nach Aksaray. Da der Minibus statt wie ursprünglich gedacht um 8:00 Uhr erst nach 9:00 Uhr losfuhr, kamen wir in Aksaray eigentlich zu spät an, um den Anschlussbus zu erwischen. Da dieser jedoch ebenfalls eine kleine Verspätung hatte, schafften wir es in letzter Minute, noch einzusteigen. Ein Ticket hatten wir zwar nicht und der Schalter war verwaist, doch völlig unkompliziert durften wir im Bus bezahlen, etwas, das in der Schweiz undenkbar gewesen wäre. Nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir Göreme. Schon bei der Einfahrt in den Ort offenbarte sich uns die zauberhafte Landschaft: Überall ragten Gesteinsformationen in Farben von Weiss bis Kupferrot in den Himmel, viele von ihnen zu Unterkünften umfunktioniert. Göreme gilt als grösste Stadt Kappadokiens und als touristisches Zentrum der Region. Es liegt in einer Senke und die meisten Häuser sind in die Hänge hineingebaut. Unser Hotel hatte eine herrliche Dachterrasse, von der wir den Ort überblicken konnten. Das Zimmer selbst lag komplett im Stein, direkt in den Berg gehauen, trotz der grossen Hitze draussen war es drinnen angenehm kühl.

Göreme wirkte derart touristisch, dass es uns fast an die Kulissen von Hotelanlagen neben Vergnügungsparks erinnerte: Restaurants reihten sich an Unterkünfte und der Preis für einen Kaffee stand Zürichs Bahnhofstrasse in nichts nach. Sogar ein Burger King versteckte sich dazwischen, so geschickt in Stein gebaut, dass wir ihn zuerst gar nicht erkannten. Trotzdem war die Landschaft atemberaubend. Die markanten Lavagesteinsformationen, die sogenannten Feenkamine, waren allgegenwärtig und auch die Hotels, Reisebüros und Restaurants fügten sich durch ihre Steinbauweise harmonisch ins Bild.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, schlenderten wir durch den Ort, kauften uns im A101, dem lokalen Supermarkt, ein Mittagessen und assen es auf einer Bank ein Stück ausserhalb des Trubels. Die Supermärkte hier waren klar auf ihre Hauptkundschaft zugeschnitten: Regale voller Instantnudeln, Soja- und Chilisaucen, Fertiggerichte im Tiefkühler, alles für die vielen asiatischen Besucher. Wir begnügten uns mit Brot und Sucuk und machten uns anschliessend auf eine kleine Wanderung ins Sword Valley. Auf dem Weg dorthin passierten wir das Freilichtmuseum, das je nach Google-Bewertung entweder die «beste Experience ever» oder schlicht «eine Ansammlung von Steinen» sein sollte. Am Eingang zur Schlucht empfing uns eine hübsche Tafel, wie wir sie in den nächsten Tagen noch öfter antreffen würden. Nach einigen Metern standen wir jedoch schon an einem steilen Abhang, wo wir nicht recht wussten, wie es weitergehen sollte. Wären wir da schon geübter gewesen, hätten wir den Abstieg vermutlich locker gemeistert. So aber kehrten wir bald zurück und liessen uns am Abend zwei Pide schmecken, eine mit Sucuk und Käse, die andere mit Hackfleisch, fast wie ein Lahmacun.

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Red and Rose Valley

Am nächsten Morgen starteten wir früh, zumindest so früh, wie es das Frühstücksbuffet erlaubte, das erst ab 9:00 Uhr geöffnet war. Gestärkt machten wir uns zu Fuss auf den Weg ins Pigeon Valley, das uns bis nach Uçhisar führte. Die vier Kilometer lange und bis zu 100 Meter tiefe Schlucht verdankt ihren Namen den Taubenhäusern, die bereits im 9. Jahrhundert in die Feenkamine geschlagen worden waren. Die Tauben dienten als Boten, ihr Kot wiederum als Dünger für die Landwirtschaft. Anfangs glich die Wanderung einem gemütlichen Spaziergang, bis der Pfad kurz vor Uçhisar steiler und sandiger wurde, sodass wir immer wieder abrutschten. Uçhisar selbst lag malerisch am Hügel, auf dem das gleichnamige Schloss thront, oder besser gesagt, in den Hügel hineingebaut ist. Die Lage erlaubte damals eine frühe Sicht auf mögliche Angreifer. Nach einem Kaffee machten wir uns auf den Rückweg, vorbei an Obstsaftständen und hinunter ins «Love Valley». Der Einstieg war steil und rutschig und wir staunten, wie manche in Crocs-Schuhen dort unterwegs waren. Doch die Szenerie lohnte sich: die hohen Feenkamine, die je nach Licht ihre Farben wechselten, bis sich die Schlucht ins «White Valley» verwandelte. Am Ende wanderten wir zurück nach Göreme, bemüht, der grössten Nachmittagshitze zuvorzukommen. Abends probierten wir Testi Kebab im Tontopf, eine regionale Spezialität, die an fast jeder Ecke angeboten wurde.

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Pigeon and Love Valley

Am dritten Tag standen wir noch früher auf und verzichteten auf das Frühstück, um rechtzeitig im «Meskendir Valley» zu starten. Unten angekommen, begrüsste uns eine kleine Teestube, wo der Betreiber, ein ehemaliger Lastwagenfahrer, von seinem jetzigen Leben mit Obst- und Weingärten erzählte. Er sprach auch von den Folgen des Klimawandels: Es regne kaum noch und die Dürreperioden würden länger. Wir bekamen Trauben und getrocknete Aprikosen angeboten, bevor wir weiterzogen. Kaum Touristen begegneten uns und die Stille verstärkte die Eindrücke der Landschaft. Über Höhlengänge und ein ausgetrocknetes Flussbett gelangten wir ins «Red Valley». Hier türmten sich rote Felswände links und rechts und nach einer Stunde erreichten wir die «Grape Church», eine kleine Kapelle im Fels.

Von dort wollten wir ins Rosental wechseln, doch der einzige Weg führte über eine rostige Leiter am Felsen. Eva erklomm sie mutig, während mir vor Höhenangst die Knie zitterten. Oben angekommen, wartete ein noch gefährlicherer Abschnitt, zu viel für mich. Also stiegen wir wieder hinab und suchten eine alternative Route. Über einen leichteren Weg gelangten wir schliesslich doch ins Rosental, das sich deutlich grüner präsentierte. Hier konnten wir uns gut vorstellen, wie im Frühling Rosen und Blumen das Tal in Farben tauchen. Der Abstieg war sanft, fast wie ein Spaziergang und endete in Çavuşin, einem verschlafenen Dorf. Dort tranken wir im Schatten einen herrlichen Frappuccino, unseren ersten, aber wohl besten der Reise. Mit dem Bus fuhren wir zurück nach Göreme, erfrischten uns mit einer Dusche und liessen den Tag bei Schawarma ausklingen.

Am nächsten Morgen klingelte um fünf Uhr der Wecker. Wir liefen zum Aussichtspunkt über Göreme, doch der Wärter erklärte uns, dass wegen zu viel Wind keine Ballons starten würden. Enttäuscht gingen wir zurück ins Bett. Am Tag darauf versuchten wir es erneut, diesmal mit Erfolg. Schon im Dunkeln sammelten sich die Menschen und überall flackerten die Flammen, als die Ballonhüllen gefüllt wurden. Kurz vor Sonnenaufgang erhoben sich unzählige Ballons in die Luft, vielleicht hundert oder mehr. Zuerst die grossen, dann die kleinen, teureren für Paare. Die Szenerie war unbeschreiblich: das Licht der aufgehenden Sonne, die Farben der Ballons, die Weite der Täler. Auch Fotos konnten die Stimmung nicht wirklich wiedergeben. Es war ein unvergesslicher Moment und ein würdiger Abschluss unserer Tage in Göreme.

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