Reading Progress:

Ein Start ins Unbekannte

4. August 2025

Der Abschied war für uns nicht einfach. Besonders in den letzten drei Wochen vor der Abreise: das Ausmisten der Wohnung, das Packen und der Umzug zu den (Schwieger-)Eltern waren aufwendig und forderten uns stark. Dass wir in dieser Zeit auch noch alle Anlässe und Feste miterleben wollten, die in Basel stattfanden, erleichterte die Situation keineswegs. Gleichzeitig waren die Fussballspiele im Joggeli anlässlich der Fraueneuropameisterschaft oder auch die erste (für uns letzte) FC-Basel-Heimpartie der Saison eine willkommene Abwechslung und wir konnten viele unserer Freunde nochmals sehen und verabschieden. Hätten Elsa (Arbeitskollegin von Eva) und Pascal mich nicht dazu «gedrängt», hätte ich die Schlüssel für das Schulhaus, in dem ich gearbeitet hatte, wohl mit auf die Reise genommen. Doch wie Susanne (Schwester von Eva) sagte: «Pfläschterli muesch dr eifach risse.» Also rissen wir nach und nach die Pflaster ab – und mit jedem Schritt verabschiedeten wir uns ein Stück mehr.

Mit viel Vorfreude, aber auch mit zahlreichen Emotionen im Gepäck, stiegen wir am Montagnachmittag am Bahnhof in Basel in den Zug nach Zürich. Dass wir von dort aus mit dem Nachtzug in die Ferne aufbrachen, hatte inzwischen fast schon Tradition und wir entwickelten dafür unsere ganz eigenen Rituale. Gegen 19:40 Uhr rannten wir mit unserem Gepäck quer durch den Zürcher Hauptbahnhof, da wir – wie so oft – übersehen hatten, dass der Grüne Libanon, wo wir unser Schawarma essen wollten, bereits um 20:00 Uhr schloss. Als letzte Kunden verliessen wir den Schnellimbiss, setzten uns auf eine Bank vor dem Lokal und verspeisten unser gefülltes Fladenbrot. Danach gönnten wir uns noch ein Bier im Ausschank der Brauerei Amboss, der «Amboss Rampe». Auch dieses Mal hielten wir uns strikt an unser selbst auferlegtes Protokoll. Eine schöne Überraschung war, dass Alaadin (langjähriger Freund und ehemaliger Mitbewohner von Pascal) zufällig ebenfalls am Hauptbahnhof war – er kam von der Arbeit, wir standen kurz vor der Weltreise – und wir ihn noch treffen konnten. Welch schöner Zufall!

Viele von euch haben es wohl mitbekommen, doch ob der Nachtzug tatsächlich fahren würde, war bis kurz vor der Abreise unklar. Mehrere Mails der ÖBB hatten uns erreicht, in denen stand, der Zug falle aus und wir sollten nach Alternativrouten suchen. Aber was um Himmels willen sollten Alternativrouten für Nachtzüge sein? Wir schenkten dem keine Beachtung. Zum Glück, denn der Zug fuhr planmässig, nur eben nicht nach Budapest-Keleti wie sonst, sondern nach Budapest-Kelenföld, nur ein paar Minuten ausserhalb der Stadt. Aber solange es bei dieser kleinen Änderung blieb, war alles in Ordnung.

Unser Zugabteil erwies sich als ausgesprochen schön, vermutlich das beste, das wir bisher in Europa hatten. Die Kabine war erstmals von innen mit einem zusätzlichen Schloss gesichert und beim Verlassen konnten wir das Abteil von aussen mit einer Karte verschliessen, ganz wie in einem Hotel. Der Wagen oder zumindest sein Innenausbau musste erst in den vergangenen Jahren neu gebaut worden sein. Wir genossen die bequemen Betten und so schliefen wir schliesslich ein, begleitet vom Rattern und Quietschen der Wagenräder auf den Geleisen, im Bewusstsein, dass unser Abenteuer nun wirklich begonnen hatte: ein Aufbruch ins Unbekannte, ein Start fast nach Plan.

Weitere Blogposts

Plovdiv

Plovdiv

Plovdiv erreicht man von Sofia aus ganz gemütlich mit dem Zug. Auch wenn der Bahnhof in Sofia für...

Belgrad

Belgrad

Ohne Erwartungen kamen wir in Belgrad an. Weshalb wir keine hatten, konnten wir beide nicht sagen,...

Budapest

Budapest

Ausgeschlafen und mit dem besten Frühstück, das wir je in einem Nachtzug genossen hatten, kamen...

0 Comments

Submit a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert